Was die Österreicher wirklich bewegt
Die Welt
Noch ist nicht Halbzeit auf der Berlinale, und doch bekommt der Wettbewerb langsam Kontur. Er ist viel besser als erwartet – und teilt ein Motiv: Viele Filme erzählen vom langen Weg zurück zu sich selbst. Und einer setzt sich dabei an die Spitze.
Noch ist nicht Halbzeit auf der Berlinale, und doch bekommt der Wettbewerb langsam Kontur. Er ist viel besser als erwartet – und teilt ein Motiv: Viele Filme erzählen vom langen Weg zurück zu sich selbst. Und einer setzt sich dabei an die Spitze. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das lernt man nicht nur als akkreditierter Festivalbesucher, der sich jeden Morgen um 7:30 Uhr ins Festival-Portal einloggen muss, um die begehrtesten Eintrittskarten zu ergattern – sondern auch beim Österreichischen Filmempfang. Wer nicht pünktlich um 11 Uhr in der Österreichischen Botschaft erschien, hörte von Tafelspitz und Spinatstrudel nur noch aus schwärmenden Erzählungen. So wie vom Glanz und Glamour Österreichs, mit dem es, wie man erfährt, auch eher vorbei ist. Nur noch zwei Mal im Jahr erahne man die glorreiche Vergangenheit, nämlich beim Wiener Opernball und der „Romy“-Gala, die jetzt erstmals beim Filmfestival Kitzbühel stattfand. Trotzdem ist die Stimmung ausgelassen. Immerhin hat Österreich zwei Filme im Wettbewerb. Einmal Markus Schleinzers einhellig gelobter „Rose“ mit Sandra Hüller in der Hauptrolle, die längst als deutsches Exportgut betrachtet werden kann – schließlich spielt sie inzwischen an der Seite von Hollywood-Größen wie Ryan Gosling. Und dann noch „The Loneliest Man in Town“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Außerdem heiß erwartet: „Vier Minus Drei“ von Adrian Goiginger, der heute Abend Premiere feiert. Beim Empfang trifft man auf Branchengrößen wie Schauspielerin Birgit Minichmayr, „Die Toten von Salzburg“-Kommissarin Patricia Aulitzky und „Breaking the Ice“-Regisseurin Clara Stern (die das Eis lange vor „Heated Rivalry“ mit einer queeren Ice-Hockey-Liebesgeschichte zum Schmelzen brachte), ebenso wie auf Politiker wie Vizekanzler und Kulturminister Andi Babler (SPÖ) und Staatssekretär Sepp Schellhorn (Neos). Letztere kündigten eine baldige Regelung der Filmfinanzierung und Streamer-Investitionspflicht an. Bei Gurktaler Alpen-Spritz und Melange, Kartoffelsalat und Topfenstrudel diskutieren die geladenen Gäste die großen Fragen: Wie gut werden die Zuschauer das neue Wiener „Tatort“-Kommissaren-Duo annehmen? Fördert der ORF die falschen Stoffe? Und welches österreichische Filmfestival hat die schönsten Berge? gold
