Auf geht’s zur Bärenjagd beim größten Publikumsfestival der Welt
Die Welt
Heute beginnt die 76. Berlinale. Zehn Tage voller Filmfieber und flüchtiger Wahrheiten im Blitzlicht. Unsere Reporter mischen sich unter die Cineasten, jagen Gerüchten nach – und suchen nach bleibenden Bildern. Willkommen beim Live-Ticker!
Heute beginnt die 76. Berlinale. Zehn Tage voller Filmfieber und flüchtiger Wahrheiten im Blitzlicht. Unsere Reporter mischen sich unter die Cineasten, jagen Gerüchten nach – und suchen nach bleibenden Bildern. Willkommen beim Live-Ticker! Man weiß bei der Berlinale-Eröffnung nie so genau, ob man zuerst über die Outfits oder zuerst über die Plakate schreiben soll. Manchmal machen es einem die Stars auch leicht, so wie letztes Jahr Luisa Neubauer, die ihren Protest nicht auf einem Schild vor sich her, sondern direkt auf ihrem Kleid trug. „Donald & Elon & Alice & Friedrich“ stand da in schwarzer Schrift auf geisterhaftem Weiß. Und dieses Jahr? Da bleibt es außer ein paar „Free Iran“-Plakaten und einem „Und was ist mit Palästina?“-Zwischenfall während der Pressekonferenz politisch erst mal eher still. Jella Haase stolziert in Giftgrün über den roten Teppich, Caro Dauer trägt Rot auf Rot, Marie Nasemann glitzert im Wet-Hair-Look, Lars Eidinger zeigt Brusthaar im weißen, tief ausgeschnittenen Blazer mit rosa Blume. Wo die internationalen Stars bleiben, fragen Sie sich? Tja, das fragen wir uns auch. gold So, der Spaß und wahrscheinlich auch a bisserl Leid gehen wieder los. Welcome to the Berlinale, schon die 76., was sich langsam alt anhört. Dem Kino ging es wirklich schon mal besser, es ist ebenfalls in die Jahre gekommen. Die Amerikaner frequentieren ihre Multiplexe nur noch halb so häufig wie vor der Pandemie. Dafür meldet der deutsche Film Rekorde. German Films – die offizielle Auslandsvertretung der Branche – ließ vor ein paar Tagen wissen, mehrheitlich deutsche Produktionen hätten ihre Einnahmen jenseits der Grenzen im vergangenen Jahr verdoppelt, von 116 Millionen auf knapp 250 Millionen Euro. Das lag vor allem am „Kanu des Manitu“ und „Maria“ mit Angelina Jolie als Maria Callas, eine Ko-Produktion von Komplizen Film. Ob sich der Trend auf der Berlinale fortsetzt, immerhin dem größten Publikumsfestival der Welt? US-amerikanische Filme sind jedenfalls Mangelware. Dafür strotzt zumindest der Wettbewerb, in dem 22 Filme um den Goldenen Bären konkurrieren, vor ehrgeizigen Schwellenländern. Die Beiträge kommen im Zweifel aus Bulgarien, dem Tschad, Senegal, Guinea-Bissau, Mexiko und der Türkei. Die Regisseure muss man erst mal googeln. So muss das sein auf der Berlinale, die sich traditionell das Politische auf die Fahnen schreibt. Die größten Blockbuster des Jahres gehen schließlich schon nach Cannes und Venedig. Viel Gelegenheit zu Anti-Israel-Protesten gibt das Programm dieses Jahr nicht her, zumindest nicht auf dem Papier. Erfahrungsgemäß findet sich in Berlin aber immer ein Anlass.
