Deutsche Bank hielt jahrelang an Jeffrey Epstein fest
ZDF
Jeffrey Epstein wurde nach seiner ersten Verurteilung Kunde der Deutschen Bank. Intern stufte ihn diese jahrelang als akzeptables Risiko ein.
Jeffrey Epstein wurde erst nach seiner ersten Verurteilung Kunde der Deutschen Bank. Intern stufte diese den Sexualstraftäter jahrelang als akzeptables Risiko ein. Nach fünf langen Jahren mit dem prominenten Kunden heißt es in einer internen E-Mail der Deutschen Bank im Dezember 2018, jetzt müsse geprüft werden, "ob man sich noch dabei wohlfühlt, diese Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten". Der Kunde ist Jeffrey Epstein - der zu diesem Zeitpunkt längst als verurteilter Sexualstraftäter bekannt war und über dessen Konten mutmaßliche Opfer seines Missbrauchsrings bezahlt wurden. Die jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Unterlagen zum Fall Jeffrey Epstein zeichnen das Bild einer Bank, die Warnsignale kannte, relativierte und über Jahre hinnahm. Epstein wurde 2013 - und damit Jahre nach seiner ersten Verurteilung 2008 und dem Absitzen einer 13-monatigen Haftstrafe - überhaupt erst Kunde der Deutschen Bank. Intern galt er dennoch lange als akzeptables Risiko. Die Deutsche Bank erhoffte sich offenbar gute Geschäfte mit Epstein. Zwei bis vier Millionen Dollar an Einnahmen jährlich versprach sich die Bank aus der Geschäftsbeziehung, so geht es aus einem Vergleich zwischen der Deutschen Bank und der Finanzaufsicht des Staates New York aus dem Juli 2020 hervor. Die von ZDF frontal ausgewerteten Unterlagen zeigen: Epsteins Straftaten und sein Geständnis, eine Minderjährige prostituiert zu haben, waren der Deutschen Bank bestens bekannt - trotzdem nahm sie ihn als Kunden auf. Auf ZDF-Anfrage sagt die Deutsche Bank, die Aufnahme sei ein "Fehler" gewesen: Der US-Kongress und etliche Aktionäre verlangen indes Aufklärung von der Deutschen Bank. Ein Ausschuss des Kongresses schickte bereits im November eine dringliche Vorladung an das Frankfurter Geldhaus. Demnach wird derzeit geprüft, ob Finanzinstitute zur "Ermöglichung von Sexhandelsstrukturen" beigetragen haben.





