
Der Verlierer hadert, der Sieger grantelt
Süddeutsche Zeitung
Ein redseliger Stadionsprecher, ein nicht gegebener Elfer und ein angekündigter Abschied beim BVB: Das Duell Köln gegen Dortmund liefert gleich mehrere Geschichten – Niko Kovac übt trotz des Erfolges Kritik.
Der Kölner Stadionsprecher Michael Trippel ist nicht nur dafür bekannt, dass er eine Stimme hat, die ihn für die Wagnerfestspiele in Bayreuth qualifizieren würde. Er tut sich auch durch seine manchmal eigentümlichen Ansagen hervor. Wenn er in seiner rituellen Begrüßungsformel die Besucher „in der schönsten Stadt Deutschlands“ willkommen heißt, dann nimmt ihm das keiner übel, vielleicht mit Ausnahme neidischer Düsseldorfer oder der Leute in Rothenburg ob der Tauber.
Doch dass Trippel am Samstagabend mitten im Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Dortmund die Entscheidung des Schiedsrichters via Stadionmikrofon kommentierte, und dies mit den Worten „Pfui! Widerlich!“, das hat ihm nun einen schweren Tadel seines Auftraggebers eingetragen, dem wohl auch von offizieller Seite – DFB/DFL – Konsequenzen folgen werden.
Jamal Musiala trifft beim 4:1 gegen Gladbach und absolviert sein erstes Spiel über 90 Minuten seit fast einem Jahr für die Bayern. Trainer Vincent Kompany nutzt den Anlass, um nach dem Spiel ein paar Dinge klarzustellen.
Zu Daniel Sieberts Entscheidung, den Kölner Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey vom Platz zu stellen, konnte man dies und das meinen – pfui war sie allerdings nicht. Der 20-jährige englische Abwehrspieler war Maximilian Beier während der Verfolgung versehentlich auf die Achillessehne getreten. Siebert zeigte zunächst Gelb, der Video-Assistent meldete Bedenken an, woraufhin Siebert die TV-Bilder studierte und seinen Beschluss revidierte. Die Betroffenheit der Kölner war verständlich, denn jetzt mussten sie in Unterzahl dem 0:1-Rückstand hinterherlaufen. Die rote Karte sei trotzdem korrekt gewesen, räumte später FC-Sportchef Thomas Kessler ein. Dass er Sieberts Spielleitung, den VAR und die Rechtmäßigkeit der Kölner 1:2-Niederlage infrage stellte, hatte andere Gründe, zu denen nach dem Abpfiff ein weiteres Mal unerbeten der Stadionsprecher Trippel Stellung nahm.
Nachdem sich Trippel formvollendet Gehör verschafft hatte („Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Fußballfreunde“ …), schilderte der seit 1999 im Dienst stehende Conferencier seine Meinung zu einem Vorgang aus der Nachspielzeit: „In der 95. Minute gab’s im Dortmunder Strafraum ein klares Handspiel!“, rief er zornig ins nach wie vor volle Stadion, „und das guckt sich noch nicht mal einer an!“ Die unbefugte Klage gegen die Gerechtigkeit der deutschen Justiz und die Schiedsrichter wurde von FC-Geschäftsführer Kessler ausdrücklich missbilligt („gefällt mir nicht, darüber werden wir sprechen“) – inhaltlich jedoch ausdrücklich geteilt. Dass wie im Fall Simpson-Pusey auch beim Handspiel von Yan Couto der VAR hätte einschreiten müssen, um einen Elfmeter anzuregen, das reklamierten nicht nur die betroffenen Kölner. Das hielt auch BVB-Coach Niko Kovac für angebracht. „So habe ich’s gelernt“, sagte er unter Berufung auf die Regelschulung, die der DFB den Bundesliga-Trainern regelmäßig zuteilwerden lässt.













