
Der Abschied von Franziska Preuß ist eine große Olympia-Versöhnung
n-tv
Franziska Preuß beendet ihre Karriere ohne olympische Einzelmedaille. Im letzten Rennen ihrer erfolgreichen Laufbahn platzt der Traum spätestens nach dem zweiten Schießen. Im Ziel wird's sehr emotional.
Franziska Preuß beendet ihre Karriere ohne olympische Einzelmedaille. Im letzten Rennen ihrer erfolgreichen Laufbahn platzt der Traum spätestens nach dem zweiten Schießen. Im Ziel wird's sehr emotional.
Der Weg zum Ziel war ein leichter. Franziska Preuß spürte plötzlich keine Eile mehr. Keinen Stress, keinen Druck. Die letzten Meter ihrer so erfolgreichen Karriere waren ein emotionaler Ausnahmezustand, kein sportliches Highlight mehr. Auf der letzten Abfahrt nahm sie Tempo raus, sie winkte ins Publikum, verteilte Handküsse. Ihr letzter Traum blieb unerfüllt. Die 31-Jährige geht jetzt ohne olympische Einzelmedaille in den Biathlon-Ruhestand. Es war ihr egal, völlig egal. Ihren Frieden mit den Olympischen Spielen hatte sie schon am Freitag gemacht. Da hatte sie verkündet, dass sie nur noch einmal an den Start gehen würde. Im Massenstart. Und diesen Frieden trug sie am Samstag ins Ziel.
Sie wollte das Rennen genießen, ohne all das, was Leistungssport so kompliziert, so herausfordernd macht. Die Tage in Antholz hatten ihr extrem zugesetzt. Regelmäßig war sie im letzten Schießen daran gescheitert, diese "Scheißmedaille" noch abzugreifen. Wie oft flossen Tränen. Verzweifelt saß sie alleine im Schnee und wusste nicht, wie sie das alles verarbeiten sollte. Sie versuchte immer zu erklären, was sie selbst nicht fassen konnte. Dann der Cut am Freitag. Und ein letztes Rennen, das schnell Erlebnis statt Ergebnis wurde. Ein Fehler im ersten Liegendschießen, ein weiterer beim zweiten liegenden Anschlag. Schon da waren alle Ambitionen in ihrem "last dance" in die Strafrunde geflüchtet. Dass sie danach stehend noch fünfmal die Scheiben verpasste, egal. Niemanden interessierte es.
Aber es gab noch eine schöne letzte Pointe an diesem Schießstand, der sie so genervt hatte. Der letzte Schuss der Karriere war ein Treffer, keine Nähmaschine, kein Kopfkino, einfach rein. "Nach dem ersten Fehler habe ich es relativ gelassen gesehen", sagte Preuß, "es war egal, was rauskommt. Ich wollte einfach nochmal alles aufsaugen - und das ist mir gelungen."
Es war längst kein Drama mehr. Nur noch ein Schaulaufen. Als 28. kam sie lächelnd ins Ziel. Es war kein verzweifeltes Lächeln, kein ratloses. Es war ein glückliches. Es war geschafft. Nur zwei Sportlerinnen lagen noch hinter ihr. Aber aus deutscher Sicht war dieses Rennen kein Rennen, sondern ein großer Abschied. Von Preuß und von der italienischen Biathlon-Grande-Dame Dorothea Wierer. Als die Polin Kamila Zuk, die Letzte, fast zweieinhalb Minuten später über die Linie gefahren war, durften diese beiden Königinnen des Sports noch einmal auf die Strecke. Dieses Mal verneigten sie sich vor den Zuschauern, ein Dank für all die Unterstützung in den vergangenen Jahre, Jahrzehnte. Mit Fahnen drehten sie eine kleine Ehrenrunde und genossen die Liebe, die ihnen ein letztes Mal zuflog. Im Hintergrund lief Whitney Houstons Klassiker "One moment in time". Ein Lied, in dem so viele Zeilen drinstecken, die sich in der Karriere der gebürtigen Wasserburgerin wiederfinden.













