
"Arbeiten ist für viele ein sinnstiftender Faktor"
n-tv
Die Teilzeit-Debatte suggeriert, dass Menschen Arbeit nur als notwendiges Übel sehen, das es, so gut es geht, zu vermeiden gilt. Haben wir tatsächlich verlernt, uns mit unseren Jobs zu identifizieren?
Die Teilzeit-Debatte suggeriert, dass Menschen Arbeit nur als notwendiges Übel sehen, das es, so gut es geht, zu vermeiden gilt. Haben wir tatsächlich verlernt, uns mit unseren Jobs zu identifizieren?
Ein Mann steigt im Bürokomplex in den Aufzug und vergisst auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz alles über sein Privatleben und seine Persönlichkeit. Zum Feierabend das umgekehrte Spiel, er erinnert sich nicht an den Arbeitstag, weiß nicht mal, welche Aufgaben er dort erledigt. Die absolute Work-Life-Balance könnte so einfach sein, würde die Realität funktionieren wie die US-Serie "Severance".
Stattdessen müssen wir uns mit Debatten über Teilzeit und Lebensstil und die ungelöste Frage herumplagen, wie wir heutzutage eigentlich arbeiten wollen. Der Wirtschaftsflügel der Union will auf dem kommenden CDU-Parteitag einen Antrag vorlegen, der den Rechtsanspruch auf Teilzeit einschränkt. Ihr ist zuwider, dass Menschen ihre Arbeitszeit reduzieren, ohne Angehörige pflegen oder Kinder betreuen zu müssen, also: selbstbestimmt. Kein Wunder, dass die Gen Z so faul ist, wenn deren Eltern alle in Teilzeit chillen. Tolle Vorbilder.
"Es ist verrückt, die Forderung zu stellen, dass die Leute jetzt gefälligst 40 Stunden ihrer Woche hergeben sollen, obwohl sie das vielleicht ökonomisch gar nicht müssen", sagt Philipp Staab, Professor für Arbeitssoziologie an der Humboldt-Universität Berlin, im Gespräch mit ntv.de. "Wo ist die Begründung, dass die Menschen irgendeinem Unternehmen diese Zeit schulden?" Im Kapitalismus sei die Arbeitskraft frei, und wer weniger arbeite, verdiene entsprechend weniger.
Kanzler Friedrich Merz beschwört derweil nicht nur, dass sich Arbeit lohnen müsse, sondern auch erfüllen soll. Dafür schlugen ihm Hohn und Spott entgegen von Leuten, die ihr Menschsein nicht über Jobs definieren wollen. Der Begriff Work-Life-Balance unterstellt ja, dass Arbeit und Leben zwei voneinander getrennte Bereiche sind. Hat Merz mit Blick auf den Zeitumfang, den Arbeit in unserem Leben einnimmt, nicht dennoch einen Punkt?













