
„Ein beschissenes Unglück“ statt Gold
Süddeutsche Zeitung
Zwei Stürze machen die Medaillenchancen von Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek zunichte. Erstmals seit 1998 gehen Deutschlands Kombinierer leer aus – im vielleicht letzten Olympiarennen der Sportart.
Als Vinzenz Geiger ins Ziel fuhr, bog er seinen Körper durch, fasste sich an den Kopf – und dann warf er seine Stöcke weg. Der Oberstdorfer schimpfte, wütete, und seine Tiraden waren völlig nachvollziehbar. Denn Geigers Stürze zuvor hatten den deutschen Kombinierern im dichten Schneetreiben von Tesero die erste Olympiamedaille bei diesen Winterspielen gekostet, vielleicht Gold.
Geiger, 28, war im Teamsprint in der achten von zehn Runden, die er im Wechsel mit Johannes Rydzek absolvierte, in der Spitzengruppe plötzlich mit der Skispitze im Schnee hängengeblieben. Er drehte sich daraufhin halb um sich selbst, der herankommende Japaner konnte nicht mehr bremsen und purzelte auch noch über ihn. Geiger rappelte sich auf, fuhr kurz weiter – und fiel wieder hin. Die Sekunden verrannen, und die Konkurrenten nutzten die Chance, um auf- und davonzufahren. „Es tut mir leid für den Johannes und für das ganze deutsche Team, es war nicht das Ende, wie wir uns das erhofft haben“, sagte der untröstliche Geiger, der auch über seinen Sturz sprach: „Blöder Fehler, meine Brille war voll Schnee, ich habe nichts gesehen. Mein linker Ski hat sich in den tiefen Schnee eingegraben, dann bin ich gestürzt. Dann bin ich aufgestanden, er hat sich direkt wieder eingegraben, ich bin wieder gestürzt.“
Am Ende fehlten Geiger und Teamkollege Rydzek, die Fünfte wurden, 1:06,1 Minuten auf Gold, das die Norweger Andreas Skoglund und Jens Luraas Oftebro gewannen, vor den Finnen Eero Hirvonen/Ilkka Herola und den Österreichern Stefan Rettenegger/Johannes Lamparter. Damit bleiben die deutschen Kombinierer, die in den beiden Einzelwettbewerben zuvor insbesondere auf der Schanze enttäuschten, erstmals seit Nagano 1998 ohne olympische Medaille.
Geiger ließ sich später in die Arme von Rydzek fallen, gemeinsam kauerten sie im Schnee, im Wissen darum, dass ihre gemeinsame Olympia-Reise nun auf bitterste Art und Weise endet. Rydzek hatte bereits vor den Winterspielen angedeutet, dass es seine letzten sein werden. Später entschuldigte sich Geiger immer wieder bei Rydzek und dem deutschen Team.
Auch Bundestrainer Eric Frenzel stand der Schreck ins Gesicht geschrieben, er verspüre gerade nur „pure Enttäuschung. Wir wollten uns am eigenen Schlafittchen aus dem Schlamm ziehen. Die zwei waren voll dabei, haben sich in eine ideale Ausgangsposition gebracht. Und dann passiert so ein beschissenes Unglück. Ich habe den Vinz noch nie irgendwo im Schnee liegen sehen. Ehe er da wieder raus war, war auch die Luft raus.“













