
Warum ein Social-Media-Verbot für Kinder scheitern muss
n-tv
Australien macht es vor, Deutschland zieht nach? Nach der SPD will nun auch die CDU eine Altersbeschränkung in sozialen Medien. Das steht allerdings nicht nur rechtlich auf wackeligen Beinen, sondern greift auch zu kurz, wie Experten deutlich machen. Schlimmstenfalls wird es für die Jüngsten sogar unsicherer.
Australien macht es vor, Deutschland zieht nach? Nach der SPD will nun auch die CDU eine Altersbeschränkung in sozialen Medien. Das steht allerdings nicht nur rechtlich auf wackeligen Beinen, sondern greift auch zu kurz, wie Experten deutlich machen. Schlimmstenfalls wird es für die Jüngsten sogar unsicherer.
Soziale Medien sind in vieler Hinsicht ein Minenfeld, das ist seit Jahren bekannt. Gleich mehrere Studien deuten ein Suchtverhalten bei einem großen Teil der Kinder und Jugendlichen an, Psychologinnen und Psychologen berichten von Stress, Schlafproblemen und Leistungsabfall bei vielen ihrer minderjährigen Patienten. Gezielt in die Sucht treibende Algorithmen sind längst als enormer Risikofaktor ausgemacht. Zudem machen regelmäßig besonders extreme Auswirkungen Schlagzeilen, etwa wenn ein Teenager online in die Selbstverletzung getrieben wird oder sogenannte Tiktok-Challenges tödlich enden.
Kurzum: Eine Regulierung der sozialen Medien, vor allem in Bezug auf Heranwachsende, drängt sich seit geraumer Zeit auf. Allerdings schien das Thema bisher größtenteils in Lethargie vonseiten der Politik und Wirtschaft unterzugehen - zumindest bis vor wenigen Monaten. Als weltweit erster Staat setzte Australien ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige um. Das britische Unterhaus stimmte jüngst für ähnliche Beschränkungen, genau wie die Nationalversammlung in Paris. Österreich, Griechenland und Tschechien denken über ein Verbot nach - und auch die Bundesregierung zieht eine strenge Regulation nun ernsthaft in Betracht.
Die SPD-Bundestagsfraktion forderte am vergangenen Sonntag in einem Positionspapier ein Verbot der Netzwerke bis zum 14. Lebensjahr, außerdem eine Jugendversion für 14- bis 16-Jährige. Die CDU beschloss auf ihrem Parteitag einen Antrag, der die Bundesregierung auffordert, "eine gesetzliche Altersgrenze von 14 Jahren für die Nutzung sozialer Netzwerke einzuführen und das besondere Schutzbedürfnis bis zum 16. Lebensjahr im digitalen Raum auszugestalten". Bundeskanzler Friedrich Merz hatte seine Sympathie für ein Verbot bereits zuvor geäußert. Der Schutz der Kinder müsse im Vordergrund stehen, betonte er.
Tatsächlich widerspricht schon der Kern des Geschäftsmodells der Plattformen diesem Kindes- und Jugendschutz, wie der Kognitionsforscher Christian Montag bei einer Veranstaltung des Mediendienstes Integration deutlich macht. Der Suchtexperte erklärt das so: Ziel der Konzerne sei es, Onlinezeiten möglichst zu verlängern. Kinder und Jugendliche haben jedoch entwicklungspsychologische Aufgaben, sei es das körperlich betonte Spielen im jüngeren Alter oder die Identitätsfindung in der Pubertät. "Ein von der Industrie gefördertes zu viel auf den Plattformen bedeutet dann ein zu wenig für diese Entwicklungsaufgaben."













