
Poetry-Slammer bringen Poesie in den Knast
n-tv
Hinter Gittern präsentieren drei Dichter ihre Texte. Die Gefangenen bewerten die Auftritte. Zwei Stunden lang steht Kultur im Knast im Mittelpunkt.
Hinter Gittern präsentieren drei Dichter ihre Texte. Die Gefangenen bewerten die Auftritte. Zwei Stunden lang steht Kultur im Knast im Mittelpunkt.
Es ist ein ungewöhnlicher Ort für Poesie. Hinter Mauern und Stacheldraht sickert Abendlicht durch die Oberlichter der Gefängnisturnhalle. Abgewetzte Spielfeldlinien - blau, schwarz, rot - ziehen sich wie flüchtige Erinnerungen über den Boden. Es riecht leicht nach Putzmittel. Der Sportsaal der Justizvollzugsanstalt Frankenthal ist gewiss kein Kulturpalast. Für eine Lockerungsübung in Sachen Literatur gibt es aber wohl keinen besseren Platz.
Der Abend gehört einem Poetry-Slam, einem Dichterwettstreit hinter Gittern. Hobbyliteraten stellen sich einer Jury aus Insassen. Etwa 40 Gefangene sitzen vor einer improvisierten Bühne. Bewegt sich jemand, quietscht der Stuhl leise. Aus weinroter Anstaltskleidung lugen persönlicher Schmuck und Tattoos hervor. In der Luft liegen Spannung, Vorfreude - und ein wenig Nervosität.
"Der Knast trifft jeden Kriminellen. Zehn Jahre kann alles gut laufen. Aber der Tag kommt, an dem man erwischt wird", sagt Osca. So will der 32-Jährige genannt werden, zwei seiner sechs Jahre wegen Körperverletzung mit Todesfolge hat er abgesessen. "Ich habe hier drinnen alles verloren. Mit meinen drei Kinder habe ich kaum Kontakt. Aber dein größter Feind ist die Zeit."
In den Händen hält er einen eng beschriebenen Zettel. Osca ist nicht nur zum Zuhören gekommen. Er tritt selbst auf. Vor den Mitinsassen und dem Wachpersonal mit den Funkgeräten und vor Anstaltsleiterin Gundi Bäßler. "Kopf oder Zahl, oben oder unten, im Block keine Wahl", rappt er. "Mittel zum Zweck, unser Mittel aus dem Dreck." Am Ende reckt er einen Mittelfinger in die Höhe. Die obszöne Geste gilt nicht dem Personal. Sie gilt den Verhältnissen.













