In Washingtons Museen sind jetzt uramerikanische Tugenden gefragt
Die Welt
Donald Trump will die Bundesmuseen in Washington auf „spaltende“ Narrative prüfen lassen. Als Verwaltungsakt getarnt, steht ein ideologischer Angriff auf das Gedächtnis einer Nation bevor. Für die Smithsonian Institution stellt sich die Schicksalsfrage.
Donald Trump will die Bundesmuseen in Washington auf „spaltende“ Narrative prüfen lassen. Als Verwaltungsakt getarnt, steht ein ideologischer Angriff auf das Gedächtnis einer Nation bevor. Für die Smithsonian Institution stellt sich die Schicksalsfrage. Im kommenden Jahr feiern die Vereinigten Staaten von Amerika ein großes Jubiläum. Vor dann nämlich 250 Jahren wurde die Unabhängigkeit von Großbritannien erklärt. Für Präsident Donald Trump ist es Anlass, aktiv in die Erinnerung an die Geschichte der USA einzugreifen. Das historische Gedächtnis Amerikas wird in der Hauptstadt Washington maßgeblich von der Smithsonian Institution gepflegt. Dazu gehören zwanzig Einrichtungen: Museen für bildende Kunst, für Natur- und Technikgeschichte, für die Geschichte des Landes und seiner Bevölkerung, Bibliotheken, wissenschaftliche Forschungseinrichtungen, sogar ein Zoo. Es ist ein Querschnitt der kulturellen und historischen Selbstvergewisserung der Vereinigten Staaten. Nun hat die US-Regierung dem Smithsonian-Chef, Secretary Lonnie G. Bunch, einen Brief geschrieben. In dem vierseitigen Schreiben kündigt das Weiße Haus eine „interne Überprüfung“ aller Inhalte an – Ausstellungen, Objektbeschriftungen, Social-Media-Posts, sogar Mitarbeitergespräche stehen auf der Liste. Die Revision bedeutet nichts weniger, als dass sämtliche Aktivitäten der Smithsonian Institution auf ihre ideologische Tauglichkeit geprüft werden sollen. Ziel der Regierung sei es, eine „vereinende, historisch akkurate Darstellung“ der amerikanischen Geschichte sicherzustellen – und „spaltende“ Narrative zu entfernen. Verkleidet wird der Vorstoß Trumps in administrative Sprache. Man wolle lediglich herausfinden, ob die Museen „mit ihrer Mission übereinstimmen“. Doch es ist dieselbe Exekutive, die gegen Diversitätsprogramme vorgeht, Gendersprache verfolgt und sich gegen „negative Darstellungen amerikanischer Heldengeschichten“ wendet. Vor den 250-Jahr-Feiern der Vereinigten Staaten geht es weit darüber hinaus, nämlich um die Durchsetzung des Anspruchs, wie an die USA zu erinnern ist.
