Der Film, aus dem man alles lernen kann über die DDR
Die Welt
Ausgerechnet in Berlin wird darüber debattiert, die DDR nicht mehr als Pflichtstoff an Gymnasien zu behandeln. Sind die richtigen Spielfilme und Literaturklassiker vielleicht sogar glaubwürdiger als Schulstunden?
Ausgerechnet in Berlin wird darüber debattiert, die DDR nicht mehr als Pflichtstoff an Gymnasien zu behandeln. Sind die richtigen Spielfilme und Literaturklassiker vielleicht sogar glaubwürdiger als Schulstunden? Der aktuelle Märchenfilm über die DDR, „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“, spielt 2019, 30 Jahre nach dem Mauerfall. Harald Wischnewsky spricht als Zeitzeuge vor einer Schulklasse über sein Leben in der Diktatur. Rauschender Bart und revolutionärer Blick, so sieht ein Bürgerrechtler aus. Der Herr Wischnewsky sei ein mutiger Mann, erklärt die Lehrerin, weil er sich in der DDR den Herrschern widersetzt habe. Ein Junge fragt: „Waren Sie arm?“ Wischnewsky sagt: „Wir waren vielleicht ärmer als manche im Westen, aber es gab keine Arbeitslosen. Es gab keine Obdachlosen. Wohnen und Essen war nicht teuer. Jedes Kind konnte ins Ferienlager fahren, in den Schulpausen gab es Erdbeer- und Schokomilch für alle.“ Warum er denn dagegen gekämpft habe? „Doch nicht dagegen!“, schreit der Dissident: „Gegen die geistige Enge, gegen Denkverbote, gegen den beschissenen Mief! Das könnt ihr euch ja gar nicht vorstellen mit euren Smartphones!“ Als wären der Bildungssenatorin von Berlin im Kino die Fallen der DDR-Geschichtsschreibung bewusst geworden, wurden die Gymnasien der Hauptstadt durch den Rahmenlehrplan von der Pflicht befreit, den Stoff zu unterrichten. Nach einer Beschwerde des Geschichtslehrer-Landesverbands teilte die Senatorin mit, die DDR dann doch weiter verpflichtend in den höheren Schulen zu behandeln. Bleibt die Frage, wie sich eine solche Diktatur vermitteln lässt. Offenbar schwer. Dass Schüler Erich Honecker für einen Bundeskanzler halten und Wolf Biermann für einen ostdeutschen Präsidenten, ist kein Witz, sondern geprüftes (Un-)Wissen. Daran sind nicht nur die Schulen schuld, sondern auch die Behörden. Mecklenburg-Vorpommern legte den Geschichtsabiturienten im vergangenen Frühjahr drei Zitate zum Fall des Pfarrers Oskar Brüsewitz vor. Durch seine Selbstverbrennung aus Protest gegen den Kommunismus hatte Brüsewitz die Kirche 1976 in ihrer Opposition gegen den Staat bestärkt. In den Zitaten wurde er von Manfred Stolpe, damals Sekretär für Kirchenfragen und später Ministerpräsident von Brandenburg, für geisteskrank erklärt. Allerdings stammten die Zitate nicht von Stolpe, sie standen auf einer zweifelhaften Website.
