Drei Jahre Arbeit für etwas, das aussieht, als habe Grok es erschaffen
Die Welt
In seinen besten Werken brachte Pierre Huyghe die Wirklichkeit ins Schwimmen. Mit „Liminals“ will er einen Mythos schaffen. Doch zwischen KI-Ästhetik, quantenmechanischem Sound und überwältigender Inszenierung gerät die Erfahrung ins Rutschen.
In seinen besten Werken brachte Pierre Huyghe die Wirklichkeit ins Schwimmen. Mit „Liminals“ will er einen Mythos schaffen. Doch zwischen KI-Ästhetik, quantenmechanischem Sound und überwältigender Inszenierung gerät die Erfahrung ins Rutschen. Letztens habe ich auf X ein Video gesehen, in dem Will Smith mit den Händen Spaghetti isst. Genau genommen waren es zwei Videos. Beide waren KI-generiert, aber im ersten ähnelte die groteske Grimasse des Hollywood-Schauspielers einem freakigen Kunstvideo: rollende Augen, die beinahe aus dem Kopf fallen, zerlaufende Konturen und sprunghaft abreißende Bewegungen. Dieser Clip sollte aus dem Jahr 2023 stammen. Im zweiten Clip, gerade erst veröffentlicht, sieht man einen gepflegten schwarzen Mann, der Will Smith sehr ähnelt und der sich in seiner lichtdurchfluteten Marmorküche Bolognese kocht. Anschließend isst er sie manierlich mit der Gabel auf wie ein Influencer. „2,67 Jahre KI-Fortschritt“ stand darunter. Der Post war als Werbung für die Fähigkeiten der Videogenerierung gemeint. Dabei war das ältere Video hundertmal interessanter als das neuere. An dieses Video auf der unbenutzbaren Plattform X musste ich denken, als ich „Liminals“ anschaute, eine Auftragsarbeit von Pierre Huyghe, die in einem ehemaligen Heizkraftwerk aus der Stalinzeit neben dem Technoclub Berghain zu sehen ist. Pierre Huyghe kam in den 1990er-Jahren aus dem Umfeld der „relationalen Ästhetik“ und erfuhr um die Jahrtausendwende seinen großen Durchbruch als Künstler.
