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„Stranger Things“ ist vorbei. Oder doch nicht?

„Stranger Things“ ist vorbei. Oder doch nicht?

Die Welt
Monday, January 05, 2026 06:49:12 PM UTC

Die Monster sind tot, die Kinderhelden längst erwachsen. Doch wer glaubt, mit dem Ende von „Stranger Things“ wären wir die Dämonen los, ist naiv. Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie Spoiler fürchten, aber die Herrschaft des Upside Down über die Popkultur hat gerade erst begonnen.

Die Monster sind tot, die Kinderhelden längst erwachsen. Doch wer glaubt, mit dem Ende von „Stranger Things“ wären wir die Dämonen los, ist naiv. Lesen Sie nicht weiter, wenn Sie Spoiler fürchten, aber die Herrschaft des Upside Down über die Popkultur hat gerade erst begonnen. Endlich sind die Jungs erlöst, und die Mädchen natürlich auch. Für immer und ewig von bösen Streaminggiganten in einer Zeitschleife der 80er-Jahre-Kleinstadt Hawkins gefangengehalten zu werden, das ist ein Schicksal, das man niemandem wünscht. Schon gar nicht, wenn man selbst die 80er-Jahre als Teenager erlebt hat. Am Ende der letzten Folge der letzten Staffel von „Stranger Things“ sind wir immerhin 1989 angekommen und Mike, Will, Lucas und Dustin haben ebenso wie ihre zugereiste Freundin Max die Highschool geschafft und können das Erwachsenenleben in Angriff nehmen. Fantasy is over, die anders schreckliche Realität kann beginnen. Dass die spätestens bei der vierten Staffel alle längst dem Jugendalter entwachsenen Helden des ST-Kernteams in Abschlussklassenroben antreten, ist schon rein optisch so absurd, dass die Serienmacher gar nicht erst versuchen, diesen Zeitsprung zu kaschieren. Von Wurmlöchern und anderen kosmischen Phänomenen ist zuvor ausführlich die Rede – warum also nicht gleich die Gesetze des Alterns aufheben? Die Abifeier, die aussieht wie ihr eigenes 10-jähriges Klassentreffen, das ist gewissermaßen das Grundprinzip von „Stranger Things“. Die letzte Folge war aber viel besser, als nach dem insgesamt wirren und mit durchschaubaren Kunstgriffen in die Länge gezogenen Verlauf der Schlussstaffel zu erwarten war. Klar, der Showdown mit dem Monster war eine ziemlich billige und von Genrezitaten von „Alien“ bis „Godzilla“ vollgestopfte Ballerei – die zarte Seele Nancy Wheeler muss gar als Rambo-Wiedergänger in die Schlacht ziehen! Aber die Epilogmontage mit den kurzen Szenen aus dem künftigen Leben der maturierten Geisterjäger ist den Duffer Brothers schon gelungen, ebenso wie die Reunion der älteren Freunde Robin, Steve, Jonathan und Nancy, die zum Anlass der Graduierung nostalgisch auf die „Time of Our Lives“ zurückblicken. Die Reifeprüfung haben sie bestanden! Jim Hoppers Heiratsantrag an Joyce Byers ist nach all den Jahren (in der Serie sechs, real fast zehn) ein Must. Hervorragend gelöst ist die Wiederaufnahme des „Dungeon & Dragons“-Motivs am Ende. Zwischendurch praktisch völlig aus dem Blick geraten, bindet es die Story wieder zurück an die Fantasie, an das Erzählen und die Metafiktion. Ein schöner Kniff, der auch die Möglichkeit eines alternativen (glücklichen) Endes für Eleven eröffnet, die sich am Ende opferte, um den Teufelskreis zu durchbrechen.

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