
Die SPD ist unterwegs ins Balkendiagramm "Andere"
n-tv
Einst Arbeiterpartei, jetzt Unklar-Partei: Die SPD verliert nicht nur Wahlen, sondern politisches Profil. Jahrelange Selbstentkernung zeigt: Wer jedem gefallen will, gefällt niemandem. Was sagt eigentlich Lars Klingbeil?
Einst Arbeiterpartei, jetzt Unklar-Partei: Die SPD verliert nicht nur Wahlen, sondern politisches Profil. Jahrelange Selbstentkernung zeigt: Wer jedem gefallen will, gefällt niemandem. Was sagt eigentlich Lars Klingbeil?
Zwei Wochen sind vergangen seit der legendären Landtagswahl in Baden-Württemberg. Nach dem spektakulären Sieg von Cem Özdemir schickte das Superwahljahr 2026 den Parteienzirkus am Sonntag in Rheinland-Pfalz direkt in die nächste Bewährungs- und Wiedergutmachungsprobe. Die Quoten für Wetten, dass dieses Grünen-Märchen sich in Rheinland-Pfalz wiederholen würde, waren allerdings schon vor der ersten Hochrechnung schlechter als für den Launch des Podcast "Feministen wie wir" mit Christian Ulmen.
Obwohl Mainz und Stuttgart nur knapp 200 Kilometer voneinander entfernt sind, spielen die Grünen in Rheinland-Pfalz eine eher unbedeutende Rolle. Mehr als die SPD im neuen Reich von Cem Özdemir holten sie mit 7,9 Prozent aber trotzdem. Dort kam die einstige Volkspartei SPD mit 5,5 Prozent so gerade eben noch in den Landtag und arbeitet weiter an ihrem Absturz ins Balkendiagramm "Andere".
Weitere gut 200 Kilometer südöstlich liegt München. Da cashte der Cem Özdemir von Bayern, Dominik Krause, ebenfalls am Wahlbuffet ab und sicherte sich überraschend das Amt des Oberbürgermeisters. Sogleich ging ein Raunen der Moralempörung durch die Reihen der besorgten Bürger, die sich rechts von der Union faktenbefreit wegradikalisieren: Özdemir ist doch ein muslimischer Migrant! Und Krause ist schwul! Ja, Sie lesen richtig. In Kreisen, in denen man Gendern für gefährlicher hält als Klimawandel, nutzt man auch "Migrant" und "schwul" zuweilen als Schimpfwort. Oder zumindest als Synonym, warum es in diesem Land nicht mehr so steil bergauf geht wie zu Zeiten des Wirtschaftswunders. Nun kann man eine Partei deswegen selbstverständlich nicht verbieten. Das gewährleisten Errungenschaften wie Demokratie und Meinungsfreiheit. Man kann sich deswegen jedoch weigern, eine Partei zu wählen. Darüber mal nachzudenken, möchte ich an dieser Stelle unverbindlich anregen.
Während sich also zumeist AfD-nahe Ritter der Homophobie-Kokosnuss echauffierten, dass Dominik Krause vor Siegesfreude seinen Verlobten Sebastian Müller küsst, machte bei der SPD das Phrasenschwein auch in der Hauptstadt des Weißbiers mal wieder Überstunden. Erneut zählte man am Wahlabend mehr Durchhalteparolen als Wähler. Statt daraufhin konsequent und radikal den Sinkflug in die FDP-isierung aufzuhalten, flüchtete man sich in Plattitüden-Tangos, für die selbst Joachim Llambi keine Punktekelle mehr geschwungen hätte. Der Lösungsansatz von Lars Klingbeil jedenfalls lautet: mehr auf die arbeitende Mitte fokussieren. Halleluja. Eine Arbeiterpartei, die sich auf Arbeiter fokussiert. Genial. Die nächsten Landtagswahlen werden so sicher ein sozialdemokratischer Selbstläufer.













