
Deutscher Jurist Andrés Ritter wird EU-Chefankläger
n-tv
Deutscher Jurist Andrés Ritter wird Leiter der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) und damit Europäischer Generalstaatsanwalt
Die Europäische Staatsanwaltschaft verfolgt Straftaten, die die Staatengemeinschaft finanziell schädigen. Derzeit ermittelt die Behörde in Tausenden Fällen, deren Schadenssumme sich auf fast 70 Milliarden Euro beläuft. Im Herbst übernimmt nun ein Deutscher den Chefposten.
Der deutsche Top-Jurist Andrés Ritter wird im Herbst die Leitung der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) übernehmen. Nach den Regierungen der Mitgliedstaaten stimmte auch das EU-Parlament für die Ernennung des 61-Jährigen zum Europäischen Generalstaatsanwalt. Die Behörde ist eine unabhängige Einrichtung der EU, die Straftaten zum Nachteil der finanziellen Interessen der Union untersucht, verfolgt und vor Gericht bringt. Dabei geht es etwa um Mehrwertsteuerbetrug, Geldwäsche, Korruption und die Veruntreuung von EU-Mitteln. Für die Ernennung Ritters votierten bei der Abstimmung im Parlament 435 Abgeordnete, 112 stimmten dagegen, 46 enthielten sich.
Dem jüngsten EUStA-Jahresbericht zufolge arbeiteten die Ermittler Ende 2025 an einer Rekordzahl von rund 3.600 aktiven Fällen mit einem geschätzten Gesamtschaden von gut 67 Milliarden Euro. Der Großteil des Schadens ist mit geschätzten 45 Milliarden Euro nach Angaben der Behörde auf Zoll- und Mehrwertsteuerbetrug zurückzuführen. 361 der Fälle werden demnach in Deutschland untersucht, mit einem geschätzten Schaden von knapp 5,8 Milliarden Euro.
Ritter ist bereits seit 2020 Vize der Behörde in Luxemburg, zuvor war er unter anderem Oberstaatsanwalt in Rostock. Er wird den neuen Posten zum 1. November übernehmen. Dann endet das siebenjährige Mandat der derzeitigen EU-Chefanklägerin Laura Kövesi. Die Rumänin war 2019 zur ersten europäischen Generalstaatsanwältin ernannt worden.
Bei Delikten, die international organisiert sind, stoßen laut Ritter rein nationale Behörden oft an Grenzen, weil Lieferketten, Geldflüsse und Beteiligte über mehrere Länder verteilt sind. Die Stärke der EUStA sei, dass sie Zusammenhänge, Strukturen und Hintermänner grenzüberschreitend erkenne, sagte der EU-Staatsanwalt. Erst durch die Tätigkeit der europäischen Behörde werde das Ausmaß des Schadens überhaupt bekannt. "Wir decken da tatsächlich eine neue Welt des Verbrechens auf", sagte der deutsche Jurist.













