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Der Pinkler vom Petersdom und seine vielen Gleichgesinnten

Der Pinkler vom Petersdom und seine vielen Gleichgesinnten

Die Welt
Tuesday, October 14, 2025 05:38:00 AM UTC

Das Christentum ist geschwächt, aber immer noch so schön, dass sich Menschen an einer Kirchenschändung aufgeilen können. Darin sind sich Hooligans in Rom, britische Künstler und deutsche Theaterleute einig. Was das mit dem Trend zur öffentlichen Selbstverstümmelung zu tun hat.

Das Christentum ist geschwächt, aber immer noch so schön, dass sich Menschen an einer Kirchenschändung aufgeilen können. Darin sind sich Hooligans in Rom, britische Künstler und deutsche Theaterleute einig. Was das mit dem Trend zur öffentlichen Selbstverstümmelung zu tun hat. Im Januar 2022 wurde auf die Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Prenzlauer Berg ein Brandanschlag verübt. Der Altar mit einem Bild, das Jesus darstellt, verbrannte. Orgelpfeifen schmolzen im Feuer. Das ganze Gebäude ist klebrig verrußt, bis heute ist es nicht renoviert, und keine Gottesdienste können dort stattfinden. Die Nachricht blieb auf lokale Medien beschränkt. Ein Kirchenbrand, der sich nicht so schnell mit einem der aktuellen Hassgräben aus den Schlagzeilen in Verbindung bringen lässt, ist nicht so berichtenswert, wie es ein ähnlicher Anschlag auf eine Synagoge oder Moschee gewesen wäre. Über den Täter weiß man bis heute nichts. Es könnte Hass auf die Kirche an sich oder auf diese spezielle Gemeinde dahinterstecken, es könnte aber auch einfach ein Betrunkener oder Neurodivergenter gewesen sein. Beide Theorien beweisen, dass das Christentum auch in unserer Gesellschaft noch über Wirkungsmacht verfügt. An der Entheiligung seiner Symbole kann sich auch der glaubensschwächste Troglodyt noch zuverlässiger aufgeilen – hier ist das derbe gute deutsche Wort angebracht – als bloß damit, Sitze im öffentlichen Nahverkehr aufzuschlitzen oder E-Roller in einen Teich zu schmeißen. Über den Pinkler vom Petersdom, dessen Identität, Nation und Motiv die italienische Polizei drei Tage nach seiner Tat immer noch nicht mitgeteilt hat, kann man doch eines ganz sicher sagen: dass er sein Genital, als er auf den Altar der Papstkirche in Rom kletterte und seine Blase entleerte, mächtiger spürte, als wenn er den gleichen Akt in einer Nische des Frankfurter Bahnhofsviertels verrichtet hätte.

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