
Afghanistan: Das todbringende Versagen in Berlin
RTL
Der überhastete Abzug der Amerikaner hat das Desaster vor Monaten ins Rollen, so viel scheint klar. Was der damalige Präsident Donald Trump mit den Taliban...
Vor zehn Tagen hieß es, die Taliban kämen erst in Monaten, wenn überhaupt, bis vor die Tore von Kabul. Von ein paar Tagen hieß es, mindestens Wochen würde es dauern. Doch in den letzten 48 Stunden ist klar geworden: Die Taliban sind schon da. Die afghanische Armee existiert nicht mehr, weil ihre Soldaten davon gelaufen sind, und der Staatspräsident scheint es ihnen gleich zu tun. In Kabul spielen sich Szenen wie auf der untergehenden Titanic ab. Der überhastete Abzug der Amerikaner hat das Desaster vor Monaten ins Rollen, so viel scheint klar. Was der damalige Präsident Donald Trump mit den Taliban ausgehandelt hat, ist längst nichts mehr wert, war es vermutlich zu keinem Zeitpunkt. Aber das entschuldigt die vollendete Rat- und Tatenlosigkeit der Bundesregierung keineswegs. Das Hin und Her zwischen mehreren Ministerien hat kostbare Zeit vertrödelt, viel zu spät kam ein Krisenstab zu Stande, und viel zu spät auch griff die Kanzlerin ein. Wozu aber gibt die ganze diplomatische und geheimdienstliche Expertise, wenn nicht, um früh vor solchen Katastrophen wenigstens zu warnen? Oder gibt es diese Expertise in der Bundesregierung in Wahrheit gar nicht? Selbst wenn das deutsche Botschaftspersonal noch gerettet werden kann – Tausende von afghanischen Helfern und ihre Familien werden schändlich im Stich gelassen und gehen ihrem Schicksal entgegen. Es ist eine Mischung aus wichtigtuerischer Bürokratie und strategischer Blindheit, mit der die Bundesregierung ihre Notlage heraufbeschworen hat, und zwar mit Ansage, denn öffentliche Warnungen gab es genug, bis hinein in Bundestagsdebatten.
Schockierende Funksprüche, ein verzweifelter Lotse – und Sekunden später kommt es zur Katastrophe. Bei der Kollision einer Passagiermaschine von Air Canada mit einem Einsatzwagen der Feuerwehr sind auf dem Flughafen LaGuardia in New York der Pilot und der Copilot ums Leben gekommen, 41 Menschen wurden verletzt. Ein Mitschnitt des Funkverkehrs und Videoaufnahmen des Zusammenstoßes sind jetzt öffentlich geworden.

Wenn die schwarz-rote Regierung das Ruder noch einmal herumreißen will, bleibt nach Ansicht von CSU-Chef Söder nur ein kleines Zeitfenster: Angesichts der Wahlen im Herbst müssen mutige Schritte noch vor der Sommerpause gelingen. Beim Spitzensteuersatz zeichnet sich dabei schon der erste größere Dissens ab.











