
Wie viel Wahrheit verträgt die Liebe?
n-tv
Emma und Charlie planen ihre Hochzeit. Doch ein weinseliger Abend öffnet die Büchse der Pandora. "Das Drama" mit Zendaya und Robert Pattinson nimmt seinen Lauf und stellt uns alle vor die Frage: Wie gut kenne ich meinen Partner wirklich?
Emma und Charlie planen ihre Hochzeit. Doch ein weinseliger Abend öffnet die Büchse der Pandora. "Das Drama" mit Zendaya und Robert Pattinson nimmt seinen Lauf und stellt uns alle vor die Frage: Wie gut kenne ich meinen Partner wirklich?
Wissen Sie und Ihr Partner oder Ihre Partnerin alles voneinander? Kennen sie alle Jugendsünden des anderen und lachen im Idealfall gemeinsam darüber? Wie viel Offenheit verträgt - oder braucht - die Liebe? Was sich hier nach genug Stoff für intensive Paartherapie-Stunden liest, ist das Thema von Kristoffer Borglis Film "Das Drama - Noch einmal auf Anfang" mit Zendaya und Robert Pattinson in den Hauptrollen. Und so viel sei vorweggesagt, ohne großartig zu spoilern: Manche Leichen sollten auch in der besten Beziehung im Keller bleiben.
Doch beginnen wir da, wo so viele romantische Filmkomödien ihren typischen Anfang nehmen: in einem Café. Dort verguckt sich Charlie (Robert Patterson), ein linkischer Brite, in die schöne Amerikanerin Emma (Zendaya). Während ein sehr ähnliches Setting in Romantik-Klassikern wie "Notting Hill" oder "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" dem Zuschauer schnell das wohlig-warme Gefühl vermittelt, dass die ungleichen Protagonisten trotz aller Widerstände und kultureller Unterschiede wie füreinander gemacht sind und natürlich ein Happy End haben werden, liegt über dem Kennenlernen in "Das Drama" bereits der Hauch einer Vorahnung, dass dieses Märchen möglicherweise nicht gut ausgehen könnte. Borgli setzt schon in dieser Anfangsszene auf unheimliche Umgebungsgeräusche, die abrupt verstummen, scheinbar unmotivierte Nahaufnahmen, und im Soundtrack ertönen dissonante Bläserklänge. RomCom? Gruselfilm? Man weiß es nicht so genau. Das dadurch schon zu Beginn ausgelöste Unbehagen wird sich wie ein roter Faden durch den Film ziehen.
Charlie spricht Emma an. Er erzählt ihr, dass er das Buch, das sie im Café liest, auch gerade gelesen hat. Eine Lüge. Nur Sekunden zuvor hat er heimlich den Buchtitel abfotografiert und sich online Rezensionen durchgelesen. Stalker-Verhalten? Absolut! Fast möchte man Emma wünschen, dass sie auf seine Anmache nicht eingeht. Und tatsächlich scheint sie seinen gestammelten Flirtversuch zunächst einfach zu ignorieren - bis sich herausstellt: Emma ist auf diesem Ohr taub. Also, wortwörtlich taub. Sie hört rechts nichts. Der Grund dafür wird später noch für einen Schockmoment im Film herhalten. Doch zunächst führt das Missverständnis zu einem ersten Date. Und irgendwann kommt der Moment, in dem Emma Charlie zum ersten Mal öffentlich als ihren "Boyfriend" bezeichnet. Dass sich die Schmetterlinge in ihrem Bauch dabei in Form eine ausgewachsenen Panikattacke mit Herzrasen und Luftnot zu Wort melden, ist nur ein weiteres düsteres Omen, mit dem Borgli dem Zuschauer signalisiert: Stellt euch bloß auf keine Hugh-Grant-Julia-Roberts-Schmonzette ein. Etwas mehr Chemie hätte Emma und Charlie dennoch gutgetan. Was die beiden wirklich verbindet - außer gutem Sex, zumindest laut Charlie - ist nämlich den Film über niemals offensichtlich genug, um ihnen als Zuschauer für ein Happy End ernsthaft die Daumen zu drücken. Zu ungleich wirkt das Paar. Zu verkrampft und verkopft seine Beziehung.
Zunächst scheint sich allerdings trotz alledem ein gutes Ende anzubahnen, denn wir treffen Emma und Charlie kurz vor ihrer Hochzeit. Beim Testessen im Restaurant mit ihren Trauzeugen Rachel (Alana Haim) und Mike (Mamoudou Athie) kommt es dann allerdings nur Tage vor dem Jawort zum Eklat. Weinselig beschließen die zwei Paare, sich die schlimmsten Dinge, die sie je getan haben, zu erzählen. Und was Emma aus ihrer Vergangenheit zutage fördert, lässt sie in Charlies Augen zu einer ganz anderen Frau werden als die, die er zu kennen und lieben glaubte. Er und sein Freund Mike sind fassungslos. Rachel aus persönlichen Gründen sogar wütend. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und nichts ist mehr, wie es vorher war.
