
Wie aus Männern bessere Männer werden können
n-tv
Viele Männer fühlen sich vom Feminismus bedroht. Doch dazu gibt es keinen Grund. Wer sich dafür einsetzt, lebt gesünder, auch Firmen geht es damit besser. Soziologe Herr erklärt, wie leicht der erste Schritt ist.
Viele Männer fühlen sich vom Feminismus bedroht. Doch dazu gibt es keinen Grund. Wer sich dafür einsetzt, lebt gesünder, auch Firmen geht es damit besser. Soziologe Herr erklärt, wie leicht der erste Schritt ist.
Männer glänzen nicht gerade als Feminismus-Verfechter. Der Fall von Collien Fernandes zeigt sogar ganz deutlich in die komplett entgegengesetzte Richtung. Sie wurde im Internet mit falschen Pornovideos verächtlich gemacht, auch physische Gewalt soll es gegeben haben. Der Aufschrei im Nachgang ist groß. Eine Feminismus-Debatte bleibt aber weitgehend aus, sie wird im besten Fall leise geführt. Der Hintergrund an der Zurückhaltung scheint zu sein, dass viele Männer noch immer nicht wissen, wie sie Frauen in der Sache richtig unterstützen können. Viele fürchten, dadurch die eigene gesellschaftliche Stellung zu verlieren und Privilegien abgeben zu müssen. Doch es kann ganz einfach sein, den ersten Schritt zu machen.
Experten sind sich einig: Frauen zuzuhören und zu glauben, was sie berichten, ist das Wichtigste, sagt der Soziologe und Bestsellerautor Vincent-Immanuel Herr im Gespräch mit ntv.de. Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Speer hält er Vorträge zum Thema Geschlechtergleichberechtigung, etwa auf Tagungen und in großen Unternehmen. Beide haben auch ein Buch geschrieben, das sich voll und ganz um dieses Thema dreht: "Wenn die letzte Frau den Raum verlässt" erschien im Februar vergangenen Jahres im Ullstein-Verlag. Ende Oktober erscheint die Fortsetzung "Doch, alle Männer!".
"Was uns Frauen regelmäßig sagen, ist, dass sie sich in fast allen Fällen wünschen, dass Männer auf andere Männer einwirken", sagt Herr. Wenn also etwa ein Mann eine Frau unterbricht, sollte er selbst auch unterbrochen werden. Anschließend wird das Wort wieder der Frau übergeben. Zudem sollten sich Männer untereinander auf ihre Fehler hinweisen. Wichtig dabei: "Nicht nur, wenn Frauen dabei sind, sondern auch unter Männern", macht Herr klar. "Frauen sagen uns: 'Hey, Ihr müsst unter Männern klarmachen, dass es nicht lustig ist, sexistische Witze zu bringen'."
Das Paradoxe: "Männer hören anderen Männern bei dem Thema leider besser zu als sie Frauen zuhören. Sie glauben Männern eher", macht der Soziologe deutlich. "Wenn der Mann sagt: 'Das ist ein Problem, wir müssen darüber reden', dann ist der durchschnittliche Mann mehr geneigt, diesem Mann zu glauben als einer Frau." In diesem Zusammenhang spricht Herr von einem "männlichen Privileg", das Männer nutzen sollen, wenn sie wirklich einen Beitrag leisten wollen.













