
Warum der Tod ihres Peinigers Ute Cohen nicht befreit
n-tv
Der Peiniger von Ute Cohen ist gestorben. Als Kind hat er sie missbraucht. Sie hat ihm einen Nachruf verfasst. Einen, der ihre Wahrheit ist. Nach seinem Tod dachte sie, es wäre nun "gut". Doch das ist es nicht.
Der Peiniger von Ute Cohen ist gestorben. Als Kind hat er sie missbraucht. Sie hat ihm einen Nachruf verfasst. Einen, der ihre Wahrheit ist. Nach seinem Tod dachte sie, es wäre nun "gut". Doch das ist es nicht.
Sie schreibt: "Er ist tot. De mortuis nihil nisi bene? Nichts als die Wahrheit, nichts als die Offenbarung des Bösen. Was bleibt von ihm, ist exorzierter Schmerz, ist Satans Spielfeld, auf dem er sein Unwesen getrieben hat. Natürlich war ich nicht die Einzige. Er zeigte mir Filme von anderen missbrauchten Mädchen, Fotos. Er wollte mich mitnehmen zu seinen Freunden, mich ausleihen, mich antreiben, ihm die noch jüngeren Mädchen ins Haus zu holen. Ich habe mich geweigert. Er hat mich dafür bestraft. Seine Frau verschloss die Augen, seine Kinder beschuldigten mich. Ich selbst krepierte fast unter dieser Ohnmacht. Er ist tot - und ich hoffe, sie nageln den Sarg mit donnernden Hammerschlägen zu und lassen ihn in Flammen aufgehen. Im Höllenfeuer fühlt er sich am wohlsten. Es sei ihm gegönnt."
Krass? Natürlich. Aber warum? Weil man über Tote nicht schlecht reden soll? Weil eine Frau sagt, wie es ist? Oder doch, weil das, was ein erwachsener Mann einem Mädchen angetan hat, unfassbar grausam ist?
Die Epstein-Files sind in aller Munde: Immer schlimmere Taten, immer menschenverachtendere Ansichten, immer mehr Menschen, meist Männer, von denen man nie gedacht hätte, dass sie zu einer Tat wie Kindesmissbrauch fähig sind, werden an die Oberfläche gespült. Soweit das nach den Schwärzungen der Akten noch möglich ist. Und ja, 14-jährige Mädchen, 15-jährige Jungs und auch 20-jährige Frauen sind schützenswerte Menschen.
Es ist eine vollkommene Täter-Opfer-Umkehr, Erklärungen dafür zu suchen, warum Männer - es sind meist Männer - sich an jungen Frauen - es sind meist junge Frauen - aber auch Kindern, vergehen. Die Stimmen der Missbrauchten sind noch viel zu leise, viel zu zaghaft, bekommen viel zu wenig Unterstützung. "Ist es erstaunlich, dass das Schicksal malträtierter, ausgebeuteter und vergewaltigter Mädchen wieder einmal als Anlass für journalistische Lieblingsgefechte dient", fragt Ute Cohen daher. Sie weiß, wovon sie spricht.

Patricia Kellys biografisches Kochbuch ist eine liebevoll erzählte Reise durch sechs Länder. Jedes Land spiegelt ein Stück ihres Lebenswegs und die Freude über die unterschiedlichen Küchen wider. Die Familienrezepte werden begleitet von berührenden, lustigen oder nachdenklich stimmenden Geschichten.












