
Mensch, ärgere dich!
Süddeutsche Zeitung
Wut ist der Treibstoff der digitalen Öffentlichkeit. Kein Gefühl lässt sich so leicht triggern, so präzise instrumentalisieren, so messbar in Klicks und Shares umrechnen – und wir alle fallen täglich darauf rein.
Der Griff zum Smartphone ist für viele Menschen die erste bewusste Handlung des Tages. Für beinahe die Hälfte der Befragten steht er noch vor Kaffeekochen, Duschen oder Dem-Kind-seine-Schulbrotzeit-Zubereiten. Kurz nachdem die Wecker-App aus- und die Internetverbindung wieder angestellt ist, flutet ein neuer Content-Schwall, der sich über Nacht angestaut hat, über die Synapsen hinweg: Ein paar Kollegen haben im geteilten Dokument noch dümmliche und nicht abgesprochene Änderungen vorgenommen, der Schwiegervater driftet im Familienchat erneut gefährlich in Richtung „Wird man doch noch sagen dürfen“, während die Irren im Weißen Haus und anderswo die Weltordnung weiter demontieren.













