
„Das ist nicht gerecht“
Süddeutsche Zeitung
Für Vergewaltigung sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren vor. Doch mehr als ein Drittel der Verurteilten muss gar nicht ins Gefängnis – so wie der Ex-Freund einer 22-Jährigen aus Niederbayern.
Eine Doppelhaushälfte in einem niederbayerischen Dorf, Jenny Arndt hat gerade ihre vier Jahre alte Tochter vom Kindergarten abgeholt. Das Mädchen saust zwischen Wohnzimmer und Küche hin und her, möchte fernsehen, essen und erzählen gleichzeitig. Arndt, graue Wollhose, graue Strickjacke, gold gerahmte Brille, setzt sich an den Küchentisch. Die 22-Jährige wirkt müde. Sie war den ganzen Tag in der Berufsschule, im Herbst hat sie eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester begonnen. Obwohl es draußen noch hell ist, sind die Rollläden im Erdgeschoss heruntergelassen, erst im Laufe des Gesprächs wird sie aufstehen, um sie zumindest in der Küche hochzuziehen. Ein bisschen Licht reinlassen in ihr Leben.













