
Mehr Berechtigte: Barmer will Reform der Pflegeversicherung
n-tv
Die Kosten für die Pflegeversicherung explodieren. Grund sei nicht allein der demografische Wandel, betont die Krankenkasse. Was sie stattdessen als Hauptursache sieht – und geändert wissen will.
Die Kosten für die Pflegeversicherung explodieren. Grund sei nicht allein der demografische Wandel, betont die Krankenkasse. Was sie stattdessen als Hauptursache sieht – und geändert wissen will.
München (dpa/lby) - Die explodierenden Kosten in der Pflegeversicherung machen aus Sicht der Krankenkasse Barmer eine Reform unumgänglich. Die Zahl der Pflegebedürftigen sei allein in Bayern von 385.600 im Jahr 2017 auf 626.500 im Jahr 2024 gestiegen – ein Plus von 62 Prozent. Die Dauer der Pflegebedürftigkeit liegt inzwischen durchschnittlich bei 6,03 Jahren, wie aus dem neuen Pflegereport der Kasse hervorgeht. Die Folge: Die Kosten für die Pflegeversicherung steigen rasant. Das System müsse umgehend reformiert werden, forderte Barmer-Landesgeschäftsführer Alfred Kindshofer in München.
Denn die Kostenexplosion liegt nach Einschätzung der Kasse nicht in erster Linie an der alternden Gesellschaft oder einem höheren Ausmaß gesundheitlicher Einschränkungen. Der Hauptgrund für den Anstieg sei der seit Januar 2017 geltende neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, erläuterte Kindshofer.
Mit der Reform der Pflegeversicherung wurden damals die bis dahin gültigen drei Pflegestufen abgeschafft und durch fünf Pflegegrade ersetzt. In dem Zuge wurden die Leistungen auch auf Einschränkungen jenseits rein körperlicher Gebrechen ausgeweitet, was vor allem eine deutliche Besserstellung von Demenzerkrankten bedeutete. Zusätzlich wurde der Pflegegrad 1 neu eingeführt, was den Kreis der Anspruchsberechtigten vergrößerte.
"Es war klar, dass sich durch diese politische Weichenstellung die Anzahl der Pflegebedürftigen erhöhen wird", schilderte Kindshofer. Das Ausmaß jedoch sei unerwartet und erfordere Gegenmaßnahmen. Der Barmer-Chef verweist auf konkrete Zahlen: 2017 hätten rund 20.700 Menschen in Bayern den Pflegegrad 1 gehabt. Im Jahr 2024 waren es bereits 117.500 – ein Anstieg um 467 Prozent. "Die Pflegeversicherung muss umgehend reformiert und finanziell stabilisiert werden", forderte Kindshofer daher. "Die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler dürfen nicht noch stärker belastet werden."













