
"Erlösung" oder Mord? 85-Jähriger soll Ehefrau getötet haben
n-tv
Jahrzehnte sind sie verheiratet, haben Kinder, erleiden Schicksalsschläge. Dann wird die Frau zum Pflegefall und es kommt zur folgenschweren Tat, für die sich der Ehemann nun verantworten muss.
Mühlhausen (dpa/th) - Ein letzter Kuss auf die Lippen, dann will er zugedrückt haben: So beschreibt ein 85-jähriger Mann vor Gericht den Moment, in dem er seine pflegebedürftige Ehefrau im gemeinsamen Schlafzimmer mit einem Kissen erstickt hat.
Angeklagt ist der Senior am Landgericht Mühlhausen wegen Mordes. Zu Prozessbeginn räumte er die Tat grundsätzlich ein. Er erklärte, er habe seine 82-jährige chronisch kranke Ehefrau von "ihren Qualen erlösen" wollen. "Ich wollte sie befreien von diesen Umständen. Es war nicht mehr würdig", sagte der Mann. Die Situation, dass er vor allem nachts allein für die Pflege seiner Frau verantwortlich gewesen sei, habe ihn stark belastet.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seine Ehefrau heimtückisch getötet zu haben. Er soll in einer Januarnacht 2022 im gemeinsamen Haus im Unstrut-Hainich-Kreis im Schlafzimmer ein Kissen auf das Gesicht der zunächst schlafenden Frau gedrückt haben. Obwohl diese dann wach geworden sei und sich gewehrt habe, soll er sie erstickt haben.
