
Ein Jahr Donald Trump: Die Geburt einer neuen Welt
Frankfurter Rundschau
Der Westen existiert nicht mehr als geopolitischer Akteur. Experten warnen vor einer neuen Ära des moralischen Zynismus und der Einschüchterung.
Geschichte wiederholt sich manchmal. Dieses Mal als Tragödie und Farce in einem. Seit einem Jahr ist Donald Trump nun wieder Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ein Jahr, das die Welt grundlegend verändert hat. „Trump markiert eine neue geopolitische Phase – postwestlich und illiberal“, merkt der Zeithistoriker Timothy Garton Ash in einem Beitrag für den „Guardian“ an. Garton Ash zählt zu den aufmerksamsten Beobachtern historischer Umbrüche. Seine Bücher über den Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks sind selbst ein Stück Zeitgeschichte. Aktuell gehe es längst nicht mehr darum, ob Trump Grönland im Zweifel militärisch angreift; eine Option, die Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater, John Bolton, eher ausschließt. Garton Ash sagt daher: „Die liberale Welt muss sich der neuen Realität stellen, ohne Beschönigungen. Es geht darum, zu erkennen, wie die Welt geworden ist und was zu tun ist.“ Der „Westen“ existiere faktisch nicht mehr als kohärenter geopolitischer Akteur. Nach Putins Angriff auf die Ukraine war der Westen zwar empört, aber längst nicht mehr hegemonial. „Trump 2.0 löst den Rest an geopolitischer Kohärenz auf“, so der britische Historiker.













