
Die vergessene Geschichte der legendären Simson-Mopeds
n-tv
Mit einem überraschenden Aufschrei aus dem Ausland erlangt die Geschichte der Kultmopeds der Marke Simson bundesweite Aufmerksamkeit. Die Familie der jüdischen Gründer des Unternehmens aus dem thüringischen Suhl verbittet sich eine Vereinnahmung durch die AfD. Denn diese ist geradezu perfide.
Mit einem überraschenden Aufschrei aus dem Ausland erlangt die Geschichte der Kultmopeds der Marke Simson bundesweite Aufmerksamkeit. Die Familie der jüdischen Gründer des Unternehmens aus dem thüringischen Suhl verbittet sich eine Vereinnahmung durch die AfD. Denn diese ist geradezu perfide.
Die Sonne scheint. Im AfD-T-Shirt und mit blauem Helm tuckert Björn Höcke im August 2025 durch Thüringen. Er sitzt auf einem Simson-Moped, mit einer Lackierung, die an die deutsche Flagge erinnert. Im Schlepptau hat er augenscheinlich Dutzende andere begeisterte Moped-Fans. Der Rechtsextremist frohlockt in einem Werbevideo seiner Partei zu der "Simson-Tour": "Wir haben deutlich gemacht, wir stehen hinter der Simson. Wir stehen vor allen Dingen hinter dem Lebensgefühl, die (sic) mit diesem Kultmoped verbunden ist. Mit dem Gefühl der Freiheit, die dieses Moped vermittelt, mit dem Gefühl der Ungezwungenheit, der Ungebundenheit. Ja, und auch mit dem Traditionsbewusstsein, das hinter diesem Zweirad steht, verbinden wir uns und identifizieren wir uns."
Was er nicht sagt: Die AfD steht zu der Geschichte des Unternehmens hinter der Simson. Denn dass ausgerechnet der gesichert rechtsextremistische Thüringer Landesverband ein Produkt hofiert, auf dem der Name einer jüdischen Kaufmannsfamilie prangt, mutet geradezu grotesk an und sorgt derzeit für Kritik. Für Höckes Partei ist die Simson das "Kultsymbol des Ostens". Und damit hat sie nicht unrecht, zumal die Mopeds vom Typ Schwalbe, S50, S51 und Co. sich auch Jahre nach der Produktionseinstellung großer Beliebtheit erfreuen. Das knatternde Geräusch der "Simme", wie das Moped auch liebevoll genannt wird, und ihr beißender Benzingeruch erinnern viele nicht nur an ihre eigene Jugend in Ostdeutschland, sondern begeistern auch heutzutage noch Fanklubs und Bastlergruppen.
Doch was vielen nicht bewusst sein dürfte: Der ikonische Simson-Schriftzug auf den Kleinkrafträdern ist nicht etwa ein ausgedachter Markenname, sondern steht für die gleichnamige jüdische Familie, die Mitte des 19. Jahrhunderts im thüringischen Suhl ein vielseitiges Unternehmen aufbaute. Dieser Teil der Geschichte ist laut Historikerin Ulrike Schulz "völlig unterbelichtet", wie sie im Dezember 2024 im Interview mit dem Portal "insuedthueringen.de" erzählte. Sie ist Autorin des Buches "Simson. Vom unwahrscheinlichen Überleben eines Unternehmens 1856-1993".
"Ich bezweifle, ob es den Zweirad-Fans bewusst ist, dass ihre Mopeds und Motorroller auf ein Unternehmen einer jüdischen Kaufmann- und Händlerfamilie zurückgehen. Das ist für die Fangemeinde gar nicht so wichtig, denke ich", sagte Schulz. Sie erlebe "immer wieder ein großes Erstaunen, dass es nicht ein Fantasie- oder Patentname ist. Außerhalb von Suhl weiß nach wie vor kaum jemand, dass es der Familienname der Unternehmer ist. Und auch in Suhl ist es nicht allen so wichtig, dass die Familiengeschichte der Simson genauso gewürdigt wird wie die Produkte."













