
"Die Russen entluden ihre Taser an uns"
n-tv
Drei Ukrainer erzählen deutschen Schülern aus ihrer Kriegsgefangenschaft in Russland. Die Berichte von Schlägen, von Hungern, Verbrühen, Frieren müssen erschüttern. Doch die Soldaten können sie nicht schonen und die Teenager wollen nicht geschont werden.
Drei Ukrainer erzählen deutschen Schülern aus ihrer Kriegsgefangenschaft in Russland. Die Berichte von Schlägen, von Hungern, Verbrühen, Frieren müssen erschüttern. Doch die Soldaten können sie nicht schonen und die Teenager wollen nicht geschont werden.
Es ist ein sonniger Morgen, als drei ukrainische Soldaten in die Gesichter von 50 deutschen Jugendlichen blicken. Die Ukrainer sind für zwei Stunden zu Besuch, einige Schüler haben Kekse gebacken. Man möchte sprechen über das, was der Krieg mit den Dreien gemacht hat, vor allem aber über das, was die Russen mit ihnen gemacht haben: Gennadiy, Huan und Ruslan gerieten im Kampf in Gefangenschaft.
Schwer zu sagen, woran man es festmachen könnte, aber etwas spricht aus den drei Gesichtern, schon bevor sie die ersten Worte an die deutschen Teenager richten. Eine Erfahrung, die auf ihnen lastet. Eine Sorge wohl auch, ob die jungen Leute, die da in sechs Stuhlreihen vor ihnen sitzen, verstehen können, worum es ihnen geht. "Dieses Treffen mit euch stresst mich mehr als ein Termin mit Politikern im Parlament", sagt Petro, der die drei durch Deutschland begleitet: "Weil es unsere Kinder sind, für die wir kämpfen."
Damit hat der Ukrainer den Ton gesetzt für diese Begegnung zweier sehr unterschiedlicher Lebenswelten: Was immer auch zur Sprache kommen wird, es soll auf Augenhöhe stattfinden. In den kommenden zwei Stunden wird man in dem kleinen Festsaal der Schule kein Störgeräusch vernehmen. Niemand wird tuscheln, niemand wird unruhig werden, einige der Teenager tippen Antworten der Männer in ihre Tablets oder machen sich per Hand Notizen. Wenn die Schulglocke zur Pause läutet, wird das keine Rolle spielen.
Ruslan entschuldigt sich als erstes - für sein Englisch und für seine Nervosität. "Ein Publikum wie euch bin ich nicht gewohnt", sagt er. Am 24. Februar vor vier Jahren wurde er von seinem Sohn geweckt. "Papa, die machen komisches Feuerwerk am Himmel", sagte der um 5 Uhr früh, als russische Raketen den Großraum Kiew erreichten. Ruslan brachte seine Familie weiter nach Westen und stieß im März zur Armee. Im Dezember nahmen die Russen ihn gefangen.













