
AfD-Spitze spielt Vetternwirtschaft-Affäre herunter
n-tv
Die Fälle von Überkreuzbeschäftigungen unter AfD-Abgeordneten und -Funktionären häufen sich. Am Tag, als die Parteispitze einen Ausweg weisen soll, tritt diese aber schmallippig auf. Dabei rührt die Krise am Wesenskern der Partei - und sorgt dort für Unruhe.
Die Fälle von Überkreuzbeschäftigungen unter AfD-Abgeordneten und -Funktionären häufen sich. Am Tag, als die Parteispitze einen Ausweg weisen soll, tritt diese aber schmallippig auf. Dabei rührt die Krise am Wesenskern der Partei - und sorgt dort für Unruhe.
Eigentlich hat Bernd Baumann zu allen Themen immer eine passende Antwort parat. Jeden Dienstagmorgen in Sitzungswochen des Bundestages ist es seine Stunde am Morgen, in der er den interessierten Hauptstadtjournalisten die Welt aus der Sicht des Parlamentarischen Geschäftsführers der AfD erklärt. Erst die aktuellen Gesetzesentwürfe seiner Fraktion, dann folgt der oftmals interessantere Teil seines Pressegesprächs - die freie Themenwahl durch die Journalisten. An diesem Dienstag wirkt er jedoch schon bei den ersten Fragen auffällig schmallippig: "Was konkret jetzt in der Fraktion passiert, das machen heute Nachmittag Frau Weidel und Herr Chrupalla", verweist er auf die Stellungnahmen seiner Fraktionschefs vor der Fraktionssitzung.
Fast täglich gibt es neue Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen die AfD. Im Fall des Bundestagsabgeordneten Stefan Keuter, der im Fraktionsvorstand ausgerechnet für Personalangelegenheiten zuständig ist, geht es sogar darum, ob er seine Lebensgefährtin im eigenen Büro beschäftigt. Absehbar, was die Journalisten von Baumann einzig interessieren würde. Der versucht abzuwiegeln: Die rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bundestagsfraktion seien alle überprüft worden - "alle Beschäftigungsverhältnisse sind durch und durch legal", sagt Baumann. Doch es geht längst auch innerhalb der AfD um mehr als nur die Frage, ob die angestellten Verwandten von Abgeordneten "legal" beschäftigt sind.
Es macht den Kern der AfD-DNA aus, anders sein zu wollen als die als "Altparteien" beschimpften politischen Konkurrenten: alle angeblich korrupt, alle stopfen sie sich angeblich nur die Taschen mit Staatsgeldern voll. Doch nun wird die Frage an der eigenen Basis lauter, was an dieser Erzählung mit Blick auf die eigenen Reihen noch dran sein soll. Und immer mehr AfD-Funktionäre bezichtigen ihre Parteifreunde hinter vorgehaltener Hand, noch nie ein gesteigertes inhaltliches Interesse an Politik gezeigt zu haben. Dass sich von Abgeordnetenentschädigungen samt Zulagen ein gutes Leben führen lasse, sei die Hauptmotivation im Kampf um Listenplätze, erzählen einige. Das alles in einem Jahr mit Landtagswahlen, bei denen die AfD beispielsweise in Sachsen-Anhalt davon träumt, sogar erstmals einen Ministerpräsidenten stellen zu können.
Wie groß die Aufregung in der AfD daher ist, zeigt sich an Baumanns Reaktionen: "Sie können Ihre Fragen dann nachher dem Fraktionsvorstand stellen", wiederholt er immer wieder, mehr als 20 Minuten lang. Das Thema ist längst Chefsache - eine Nummer zu groß für den Parlamentarischen Geschäftsführer. Ob er denn einen Überblick habe über die AfD-Mitarbeiter, die nicht bei der Fraktion, sondern direkt bei den Abgeordneten beschäftigt sind, fragt eine Journalistin noch. "Wie soll das denn gehen", grummelt genervt der AfD-Bundestagsabgeordnete Christian Wirth, der beim Pressegespräch neben Baumann sitzt. Es ist eines der großen Probleme für die AfD: Niemand weiß genau, welche Anstellungsverhältnisse noch öffentlich werden. Jeder Abgeordnete kann autark über sein Mitarbeiterbudget entscheiden.













