
Zugbegleiterinnen: "Die Angst fährt immer mit"
n-tv
Zwei Gewerkschafterinnen berichten aus ihrem Berufsalltag als Zugbegleiterinnen. Die Betroffenheit über den tödlichen Angriff auf ihren Kollegen Serkan Çalar ist den Frauen deutlich anzumerken.
Zwei Gewerkschafterinnen berichten aus ihrem Berufsalltag als Zugbegleiterinnen. Die Betroffenheit über den tödlichen Angriff auf ihren Kollegen Serkan Çalar ist den Frauen deutlich anzumerken.
"Wir steigen in den Zug und wissen nicht, was uns passiert." So schildert Konstanze Alba von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihren Berufsalltag als Zugbegleiterin. "Man kann früh um 6 Uhr angemacht werden oder nachmittags, es hängt nicht an der Spätschicht."
"Sicher ist man auf keiner Strecke zu keiner Uhrzeit. Es ist wie russisches Roulette", ergänzt ihre Kollegin Michaela Kettner. Früher hätten sie die Fahrgäste im Zug besser einschätzen können, berichten die beiden Kundenbetreuerinnen vom Nahverkehr DB Regio Mitte. Heute könnten Menschen jeden Bildungsstands extrem unfreundlich, beleidigend oder aggressiv werden, sagt die 57-jährige Kettner, die seit 2017 bei der Bahn arbeitet. "Und viele sind sehr ich-bezogen."
Am Tag nach dem tödlichen Angriff auf ihren Kollegen Serkan Çalar sei sie mit dem Zug in Worms gestrandet und dort habe ein älterer Herr mit Trolley im Fahrstuhl zu ihr gesagt, dass so etwas halt passiere. "Da zweifelt man an der Menschheit", sagt Kettner. "Respekt und Empathie - da ist zum Teil nichts mehr."
Wenn sie nach den Fahrkarten frage, käme oft nicht mal ein "Hallo" oder "Guten Tag", manchmal vielmehr gleich eine Beleidigung, berichtet Kettner. "Man muss immer mit allem rechnen, das ist kräftezehrend und geht an die Psyche." Wenn Tickets auch wieder im Zug verkauft werden dürften, könne das so manche Situation deutlich entspannen, sagt Alba.













