
Warum es in der Suizidprävention mehr Mozart braucht
n-tv
Über Jahrzehnte hinweg ist die Suizidrate in Deutschland gesunken, zuletzt stieg sie leicht an. Kriege und Social Media erfordern mehr Prävention, sagt die Psychiaterin Ute Lewitzka. Helfen soll auch ein neues Mutmach-Portal.
Über Jahrzehnte hinweg ist die Suizidrate in Deutschland gesunken, zuletzt stieg sie leicht an. Kriege und Social Media erfordern mehr Prävention, sagt die Psychiaterin Ute Lewitzka. Helfen soll auch ein neues Mutmach-Portal.
Kulturhistorisch hat Suizid schon einige Deutungen erfahren. In der Antike galt er als ehrenhaft, im christlichen Mittelalter als moralisch verwerfliche Sünde, literarische Stoffe wie "Romeo und Julia" verliehen ihm eine tragisch-romantische Note. Seine Eigenschaft als Tabuthema hat Suizid dagegen bis heute nicht ablegen können. Der Grat ist schmal: Wie spricht man angemessen über den Gedanken, aus dem Leben zu scheiden?
Medien verzichten in der Regel auf Meldungen über Selbsttötungen, um Nachahmungseffekte zu vermeiden. In Anlehnung an Goethes 1774 veröffentlichten Roman "Die Leiden des jungen Werther" spricht man vom "Werther-Effekt". Die Titelfigur nimmt sich wegen unerwiderter Liebe das Leben, was in der Leserschaft bereits im 18. Jahrhundert zu Nachahmungssuiziden führte.
Um bei diesem hochsensiblen Thema nichts falsch zu machen, erscheint es naheliegend, darüber lieber zu schweigen. Damit bleibt es ein Tabu. Hier kommt Mozart ins Spiel. In dessen "Zauberflöte" von 1791 ergeht es der Figur Papageno so wie dem Werther, doch drei Knaben halten ihn von seinem Plan ab: Sie erinnern ihn an die schönen Seiten des Lebens. Aktiv formulierte Hilfestellung, etwa im Freundes- und Familienkreis, kann Suizide vermeiden - der "Papageno-Effekt". Müssen wir für gelungene Prävention also mehr Mozart wagen?
"Ich würde sogar noch weiter gehen: Wir müssen mehr Mozart fordern!" sagt Ute Lewitzka, Professorin für Suizidologie und Suizidprävention an der Goethe-Universität Frankfurt ntv.de. "Wer das Thema nicht anspricht, kann auch keine Hilfe anbieten." Deshalb sei es wichtig, Berührungsängste abzulegen und Angebote zu unterbreiten. Dazu beitragen soll die neue Plattform Mutpost.de. Dort kann jeder und jede aufmunternde Nachrichten hinterlassen, die im Idealfall dazu beitragen, einen Menschen aus einer dunklen Phase zu führen. Vorbild ist das britische Portal "Reasons to stay", das selbst erst im Januar startete.













