
Verhaltensregeln im Mietshaus - Führerschein soll helfen
n-tv
Wer zur Miete wohnt, muss sich an bestimmte Regeln im Zusammenleben mit Nachbarn und im Kontakt mit Vermietern halten. Das klappt nicht immer. Wohnungsunternehmen sehen Wissensdefizite.
Wer zur Miete wohnt, muss sich an bestimmte Regeln im Zusammenleben mit Nachbarn und im Kontakt mit Vermietern halten. Das klappt nicht immer. Wohnungsunternehmen sehen Wissensdefizite.
Suhl (dpa/th) - Freundlichkeit, Rücksicht auf Nachbarn, Sauberkeit, Mülltrennung: Grundsätzliche Regeln für ein zivilisiertes Miteinander im Mietshaus einzuhalten, ist nach Beobachtungen Thüringer Wohnungsunternehmen nicht für alle Mieter selbstverständlich. Verstöße gegen die Hausordnung, Probleme wie Ruhestörung, Sperrmüll in Gemeinschaftsräumen, Streitigkeiten unter Nachbarn beschäftigen etwa die Städtische Wohnungsgesellschaft Gewo in Suhl häufig. Das Unternehmen setzt Hoffnungen in ein bislang recht ungewöhnliches Projekt: Ein "Mieterführerschein" soll Abhilfe schaffen.
Am Mittwoch startet ein Führerscheinkurs - er ist für Mieter freiwillig und kostenlos. Vermittelt werden sollen Grundregeln des Zusammenlebens mit der Hausnachbarschaft, die ältere Generationen längst verinnerlicht hätten. "Solche Dinge wie Hausordnung, Rechte und Pflichten von Mietern, Reinigung, Lüften, Mülltrennung, Kommunikation mit dem Vermieter", zählt Kursleiterin Ulrike Bahn auf. Hier gebe es viele Defizite vor allem bei jungen Leuten, die ihre erste eigene Wohnung bezögen. "Manche von ihnen wissen nicht einmal, dass der Strom nicht in der Miete drin ist, sondern separat beim Energieversorger angemeldet werden muss."
Die Gewo Suhl unterstützt das Vorhaben, weil sie zunehmend Bedarf an derartiger Wissensvermittlung sieht, so Geschäftsführer Thomas Hertha. Das Unternehmen vermietet rund 4.500 Wohnungen. Rund 6.600 Menschen, annähernd ein Fünftel der Suhler Bevölkerung lebt in Wohnungen des kommunalen Vermieters. Anschaulich vermittelte Rechte und Pflichten für beide Seiten des Mietverhältnisses – also Mieter und Vermieter – könnten zu mehr Verständnis füreinander und so zu weniger Problemen führen, hofft Hertha. Verpflichtende Voraussetzung für den Abschluss eines Mietvertrages ist ein solches Papier nicht, hieß es von den Organisatoren.
Auch andere Wohnungsunternehmen in Thüringen beobachten, dass sich vor allem junge Leute mit den Regeln eines Mietverhältnisses schwertun. Oft bekämen sie diese nicht mehr vorgelebt, sagte Cornelia Schönherr, Sprecherin der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (Kowo) in Erfurt. "Relativ viele sind unvorbereitet, wenn sie die erste eigene Wohnung haben", sagte Gunnar Poschmann, Sprecher des kommunalen Vermieters Jenawohnen. Das Unternehmen mit rund 14.500 Wohnungen gibt deshalb eine jugendgemäß formulierte "Wohnfibel" mit praktischen Hinweisen heraus.













