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Ukrainer finden schneller Arbeit als andere Flüchtlinge

Ukrainer finden schneller Arbeit als andere Flüchtlinge

Süddeutsche Zeitung
Tuesday, February 17, 2026 11:31:42 AM UTC

Dreieinhalb Jahre nach ihrer Ankunft ist die Hälfte der zu Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 eingereisten Ukrainer erwerbstätig. Das könnte unter anderem am Bürgergeld liegen.

Ukrainische Kriegsflüchtlinge finden in Deutschland laut einer Studie deutlich schneller in den Arbeitsmarkt als frühere Flüchtlingsgruppen. Dreieinhalb Jahre nach ihrer Ankunft ist die Hälfte der zu Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 eingereisten Ukrainer erwerbstätig. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Bei Geflüchteten, die 2015 kamen, wurde diese Quote erst nach rund sechs Jahren erreicht.

„Die Integration verläuft deutlich schneller und ist erfolgreicher als bei früheren Fluchtkohorten“, sagte Yuliya Kosyakova vom IAB vor Journalisten. Sie ⁠sprach von einem ambivalenten Gesamtbild. „Nach dreieinhalb Jahren ist rund die Hälfte beschäftigt und die Vollzeitverdienste erreichen 72 Prozent des Medianlohns.“ Zugleich sei aber ein hoher Anteil im Niedriglohnsektor beschäftigt, und viele davon benötigten ergänzende staatliche Leistungen. Zudem gebe es ausgeprägte Geschlechterunterschiede.

Den rascheren Beschäftigungsanstieg führen die ‌Forscher vor allem auf den direkten Zugang zum Arbeitsmarkt für ‌Geflüchtete aus der Ukraine und die sofortige Einbindung in das Bürgergeld-System seit Juni 2022 zurück. „Ein zentraler Treiber für diese schnelleren Integrationsprozesse ist die institutionelle Einbindung, insbesondere der direkte Zugang zum Arbeitsmarkt, Sprachkursen und Jobcentern“, sagte die Wissenschaftlerin. Dies zeige sich klar daran, dass seit Juni 2022 Zugezogene deutlich schneller eine Beschäftigung aufnähmen als jene, die in den ersten Kriegsmonaten nach Deutschland gekommen seien.

Gleichzeitig bleiben laut der Studie Hürden. So seien Männer mit einer Beschäftigungsquote von 64 Prozent nach 42 Monaten deutlich häufiger im Job als Frauen mit 55 Prozent. Letztere arbeiteten zudem oft ‌in Teilzeit und in Helfertätigkeiten. Trotz der Fortschritte sei der Bezug von Bürgergeld weiterhin hoch. Zwei Jahre und neun Monate nach dem Zuzug sind ‌41 Prozent der Beschäftigten auf ergänzende Leistungen angewiesen. ‌Insgesamt lebten noch 67 Prozent der Frauen und 61 Prozent der Männer in Haushalten, die staatliche Grundsicherung erhielten. Das Beschäftigungsniveau bleibe damit unter dem vorhandenen Potenzial, warnte Kosyakova. „Für den weiteren Verlauf ist entscheidend, stabile und frühzeitige institutionelle Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Fortschritte, die wir jetzt erzielt haben, nicht ‌abgebremst werden.“

Hintergrund der Warnung ist eine Gesetzesänderung, die derzeit im Bundestag beraten wird. Seit dem 1. April 2025 nach Deutschland gekommene Geflüchtete aus der Ukraine sollen künftig Asylbewerberleistungen statt des höheren Bürgergeldes erhalten. Sie fallen damit aus der Zuständigkeit der Jobcenter. Ihr direkter Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt – anders als bei Asylsuchenden – aber bestehen. Kosyakova warnte, dass die Änderungen die Integration verlangsamen könnten. Es gehe ⁠um die direkte Beratung, die mit der Betreuung durch die Jobcenter verbunden sei. ‌Zwar kämen derzeit vermehrt ‌junge Männer ohne familiäre Verpflichtungen, die sich erfahrungsgemäß schneller integrierten. Ein rascher Arbeitsmarkteinstieg dieser Gruppe dürfe aber nicht fälschlicherweise als Erfolg des restriktiveren Systems gewertet werden.

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