
Tegut zieht sich aus Deutschland zurück
Süddeutsche Zeitung
Edeka und Rewe sollen die meisten Filialen übernehmen, die Marke Tegut verschwindet. Und die Macht der vier großen Lebensmittelhändler nimmt weiter zu.
Tegut zieht sich aus Deutschland zurück. Damit nimmt die Konzentration auf vier große Lebensmittelkonzerne hierzulande weiter zu. Mehr als 150 der knapp 300 Tegut-Filialen sollen an Edeka und knapp 100 an Rewe gehen. Zustimmen muss allerdings noch das Kartellamt. Das hat bereits vor zehn Jahren festgestellt, dass sich 85 Prozent des deutschen Lebensmittel-Einzelhandels auf die vier Großen konzentrieren: Lidl, Aldi, Edeka und Rewe.
Seither hat deren Einkaufsmacht eher noch zu- als abgenommen. Und das dürfte so weitergehen: Die Allgäuer Supermarktkette Feneberg wird derzeit ebenfalls abgewickelt. Auch hier soll ein Großteil der Filialen an Edeka gehen, den heute schon größten Lebensmittelhändler in Deutschland. Feneberg und Edeka sind seit Langem Partner beim Einkauf gewesen.
Tegut gehört im Moment noch zum Schweizer Migros-Konzern. Der zuständige Migros-Zürich-Chef Patrik Pörtig macht aus seinem Frust über das misslungene Abenteuer in Deutschland kein Geheimnis. „Wenn Sie mit Märkten in dieser Größe zur Einkaufsstätte für Ergänzungskäufe degradiert werden, dann haben Sie ein Problem – auch wenn Sie tolle Produkte haben“, zitiert ihn die Lebensmittelzeitung.
Deutschland, sagt Pörtig, sei ein „sehr anspruchsvoller, sehr preisgetriebener, kostenintensiver Markt“. Diese Einschätzung lässt die Debatte über die rasante Inflation bei Lebensmitteln in Deutschland in den vergangenen Jahren in einem etwas anderen Licht erscheinen. Seit 2020 haben sich Lebensmittel laut Statistischem Bundesamt hierzulande um mehr als 30 Prozent verteuert. Allerdings ist das Preisniveau in der Schweiz insgesamt und auch bei Lebensmitteln noch einmal höher. Für einen Schweizer Unternehmer, sagt Pörtig, sei es nicht einfach, hier zu bestehen. Heißt: Trotz des Oligopols der vier Großen im deutschen Lebensmittelhandel ist der Preiskampf unter den Konzernen offenbar noch so groß, dass kaum Platz für Konkurrenten bleibt.
Die Genossenschaft Migros jedenfalls beendet den Ausflug ins Nachbarland nach zehn Jahren mit hohen Verlusten. Die Neue Zürcher Zeitung hat berechnet, dass er Migros 600 Millionen Euro gekostet habe. Der Abschied komme einer „Kapitulation“ gleich, schreibt die Zeitung. Ganz so martialisch interpretiert Migros den Rückzug selber nicht. Nur so viel: Man wolle sich nun auf das „Kerngeschäft in der Schweiz“ fokussieren.













