
"Staatssekretärs-Volkssturm": Rülke provoziert Koalition
n-tv
Stuttgart (dpa/lsw) - Es ging im Stuttgarter Landtag mal wieder um die zusätzlichen Staatssekretäre, die sich Grün-Schwarz genehmigt hat. FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke bemühte zunächst die griechische Mythologie, um die Regierung zu ärgern. "Sie haben bei den Staatssekretären eine Megahydra entwickelt", hielt der FDP-Mann Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Mittwoch in der Haushaltsdebatte im Landtag vor. "Wenn ein Kopf abgeschlagen wird, wachsen vier Köpfe nach." In den zehn Jahren Regierungszeit seien aus 5 Staatssekretären 16 geworden. "Ihr gesamter Gestaltungswille beschränkt sich auf das Ausweiten von Staatssekretären", ätzte er.
Dann wandte er sich seinem Lieblingsgegner, Innenminister Thomas Strobl (CDU), zu. Es sei offensichtlich gar nicht so leicht, hinreichend Staatssekretäre zu finden, stellte Rülke fest. "Im Innenministerium sind sämtliche Staatssekretäre reaktivierte Rentner." Strobl finde auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht genügend Staatssekretäre. Und dann setzte der FDP-Mann nach: "Deshalb ist es notwendig, im Innenministerium eine Art Staatssekretärs-Volkssturm auf die Beine zu stellen." Vor allem bei den Grünen sorgte das für Empörung. Uli Sckerl, parlamentarischer Geschäftsführer, rief sogleich: "Volkssturm ist ein Begriff aus dem Nationalsozialismus." Wenig später forderte Grünen-Fraktionschef Andreas Schwarz in der Debatte Rülke auf, sich für den Begriff zu entschuldigen - was der FDP-Politiker aber nicht tat.
Wenn die schwarz-rote Regierung das Ruder noch einmal herumreißen will, bleibt nach Ansicht von CSU-Chef Söder nur ein kleines Zeitfenster: Angesichts der Wahlen im Herbst müssen mutige Schritte noch vor der Sommerpause gelingen. Beim Spitzensteuersatz zeichnet sich dabei schon der erste größere Dissens ab.












