
Springer-Chef Döpfner wird neuer Adidas-Aufsichtsrat
Süddeutsche Zeitung
Nach einem Rekordjahr und vor der letzten Fußball-WM, bei der die deutsche Mannschaft in Drei-Streifen-Trikots auflaufen wird, verlängert der zweitgrößte Sportartikelhersteller den Vertrag von Vorstandschef Gulden und ordnet seinen Aufsichtsrat neu.
Nach einem Rekordjahr ordnet sich der Sportartikelriese Adidas in personeller Hinsicht neu. Der ägyptische Milliardär Nassef Sawiris, 65, soll anstelle von Bertelsmann-Chef Thomas Rabe neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden. Überraschender ist jedoch eine andere Personalie: Mathias Döpfner, 63, Vorstandschef des Medienkonzerns Springer, wird – vorbehaltlich der allerdings sehr wahrscheinlichen Zustimmung durch die Hauptversammlung am 7. Mai – neu in das Kontrollgremium einziehen. Einher mit alledem verlängerte der nach Nike zweitgrößte Sportartikelhersteller der Welt den Vertrag mit Vorstandschef Björn Gulden, 60, bis zum 31. Dezember 2030.
Für einen Wechsel auf dieser Position hätte es aktuell auch keinen Anlass gegeben. Denn rein wirtschaftlich entwickelt sich Adidas unter der Führung des ehemaligen Profifußballers aus Norwegen prächtig. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz auf 24,8 Milliarden Euro, ein um Währungsschwankungen bereinigtes Plus von 13 Prozent. Das Betriebsergebnis wuchs um mehr als 50 Prozent auf gut zwei Milliarden Euro, der Gewinn aus fortgeführten Geschäften lag mit 1,38 Milliarden um 70 Prozent über dem von 2024. Adidas sei in allen Regionen, sowie bei Schuhen und Textilien gleichermaßen um einen jeweils zweistelligen Prozentsatz gewachsen, sagte Gulden am Mittwoch am Konzernsitz im fränkischen Herzogenaurach. Die Marke mit den charakteristischen drei Streifen ist nicht nur mit Ausrüstung für Training und Wettkampf erfolgreich, sondern auch mit Mode.
Gulden selbst ist seit 1. Januar 2023 Vorstandschef, nachdem er zuvor etwa zehn Jahre lang den Herzogenauracher Lokalrivalen Puma geführt hatte. „Unter seiner Leitung hat Adidas in einem herausfordernden Umfeld großartige operative und finanzielle Fortschritte erzielt und ein starkes Fundament für zukünftiges nachhaltiges Umsatz- und Gewinnwachstum gelegt“, mit diesen Worten ließ sich der noch amtierende Aufsichtsratschef Thomas Rabe in einer Mitteilung des Unternehmens zitieren. Die Vertragsverlängerung sei ein „klares Bekenntnis zu Kontinuität, Stabilität und einer weiterhin vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat.“ Auch der Vertrag mit Personalvorständin Michelle Robertson wurde verlängert, bis Ende 2031.
Es sind die letzten Personalien in der Verantwortung von Rabe als Adidas-Aufsichtsratschef. Bereits im vergangenen Jahr sollte er ausscheiden, es fand sich jedoch kein Nachfolger. Rabe gehört dem Gremium seit 2019 an, ein Jahr später übernahm er den Vorsitz. Der soll nun auf Nassef Sawiris übergehen, der seinerseits seit 2016 dem Gremium angehört und seit einem Jahr dort als stellvertretender Vorsitzender fungiert. Über seine Beteiligungsgesellschaft NNS Holding hält der in Kairo geborene Geschäftsmann gut 3,1 Prozent der Adidas-Aktien und gilt damit als einer der größten Anteilseigner.
Während seine Berufung nicht unerwartet kommt, ist jene von Springer-Chef Döpfner durchaus überraschend. Er bringe für die Aufgabe „umfassende Führungserfahrung, sowie Expertise in den Bereichen Markenbildung, digitale Transformation und Unternehmensführung“ mit, so Thomas Rabe. Auch verfüge Döpfner über „wertvolle strategische Einblicke in globale Märkte, Konsumentenbindung und kommerzielles Wachstum“.













