
Russische Soldaten verzweifeln an Telegram-Politik des Kreml
n-tv
Russische Soldaten und Politiker protestieren gegen die Telegram-Einschränkung. Sie warnen vor gefährlichen Lücken in der Front-Kommunikation.
Um die Bevölkerung auf eine Staats-App zu zwingen, schränkt Moskau den Messenger Telegram ein. Die Drosselung behindert aber offenbar die eigene Armee. Ein Oppositionspolitiker wirft den Verantwortlichen vor, den Tod von Soldaten zu riskieren.
Die russische Armee scheint derzeit mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen. Seit einigen Tagen schon ist der Zugriff auf die US-amerikanischen Starlink-Satelliten eingeschränkt, jetzt kommt offenbar ein hausgemachtes Hemmnis hinzu: Der Kreml drosselt den in Russland weit verbreiteten Messengerdienst Telegram. Der russische Unternehmer und Blogger Iwan Utenkow schrieb dazu: "An der Front herrscht das totale Chaos! Die Starlinks sind ausgefallen, und jetzt stören sie sogar Telegram! Wie sollen wir denn kämpfen? Mit Brieftauben?"
Die staatliche Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor hatte am Dienstag mitgeteilt, sie werde "schrittweise Beschränkungen" gegen Telegram verhängen. Nutzer berichteten von teils erheblichen Einschränkungen. Telegram ist in Russland nicht nur der beliebteste Messenger, sondern auch ein wichtiges Online-Netzwerk. Prominente und Politiker unterhalten dort eigene Kanäle. Moskau hält die Bevölkerung aber an, die staatliche Konkurrenzplattform Max zu nutzen.
Die Maßnahmen gegen Telegram treffen offenbar an der Ukraine-Front wie im russischen Parlament auf Widerstand. Der Abgeordnete und Vorsitzende der Oppositionspartei "Gerechtes Russland", Sergej Mironow, schrieb in seinem Telegram-Kanal, er erhalte unzählige Hilferufe russischer Soldaten. "Diese Männer vergießen Blut, sie brauchen eine funktionierende Kommunikation, und außer Telegram haben sie oft nichts", so Mironow. Auch der Kreml-treue Kanal "Dva Majora" schrieb, Telegram sei das einzig verbliebene Mittel der Abstimmung zwischen verschiedenen Einheiten. Die Einschränkung könne zu Problemen bei der Drohnenabwehr führen.
Kremlsprecher Dimitri Peskow widersprach laut der Nachrichtenagentur Tass dieser Auffassung: Er sei kein Experte, aber er glaube nicht, "dass die Kommunikation an vorderster Front über Telegram oder einen anderen Messenger erfolgt". Es sei schwer, "sich so etwas vorzustellen".













