
Richter lässt Saal nach Imamoglu-Forderung räumen
n-tv
In der Türkei geht der Prozess gegen den Istanbuler Bürgermeister Imamoglu los. Als der Erdogan-Kontrahent fordert, eine Aussage machen zu dürfen, bricht gleich zu Beginn Chaos aus. Der Richter wirft kurzerhand das Publikum aus dem Saal.
In der Türkei geht der Prozess gegen den Istanbuler Bürgermeister Imamoglu los. Als der Erdogan-Kontrahent fordert, eine Aussage machen zu dürfen, bricht gleich zu Beginn Chaos aus. Der Richter wirft kurzerhand das Publikum aus dem Saal.
Der Korruptionsprozess gegen den inhaftierten Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu hat unter chaotischen Umständen begonnen. Nach einem Wortgefecht zwischen dem wichtigsten politischen Rivalen von Präsident Recep Tayyip Erdogan und dem Vorsitzenden Richter ließ dieser den Gerichtssaal räumen. Imamoglu hatte verlangt, sich äußern zu dürfen, und den Richter aufgefordert, "das Recht der Menschen auf Selbstverteidigung zu respektieren". Der Richter lehnte dies ab und ordnete an, zunächst andere Angeklagte zu hören. Als Reaktion auf die lautstarken Proteste der Zuschauer unterbrach er die Sitzung.
Im Gerichtssaal saßen der Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei (CHP), Özgur Özel, und Imamoglus Ehefrau Dilek nebeneinander. "Wir sind nervös und ängstlich", sagte Dilek Imamoglu vor Beginn der Anhörung zu Reportern. Sie hoffe auf einen Prozessverlauf ohne weitere Inhaftierung. Ihr Mann sei bei ihrem letzten Besuch in der vergangenen Woche jedoch "sehr guter Dinge" gewesen.
Imamoglu selbst äußerte sich in einem AFP-Interview, das schriftlich über seine Anwälte geführt wurde, vor dem Prozess optimistisch. "Ein unumkehrbarer Prozess für einen Machtwechsel in der Türkei hat begonnen", sagte er. Dieser Prozess werde nicht enden, "bevor er abgeschlossen ist". Weder die Regierungspartei noch die Justiz könnten den Wandel aufhalten, sagte Imamoglu. "Was auch immer meiner Partei oder mir passiert, wir werden diesen Weg (zur Demokratie), auf dem wir mit der Nation gehen, nicht aufgeben."
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 55-jährigen CHP-Politiker vor, eine kriminelle Vereinigung zu leiten, die sich an Ausschreibungsmanipulationen und Bestechung bereichert haben soll. Neben Imamoglu sind mehr als 400 weitere Personen angeklagt, die mit der Stadtverwaltung in Verbindung stehen. Imamoglu und die größte Oppositionspartei CHP weisen die Vorwürfe zurück. Im Falle einer Verurteilung drohen lange Haftstrafen, die Imamoglus politische Karriere beenden könnten.













