
Porsche meldet Gewinneinbruch um 93 Prozent
Süddeutsche Zeitung
Für den Sportwagenhersteller war 2025 ein Jahr zum Vergessen. Trumps Zölle und die Rückbesinnung auf den Verbrenner verursachten Kosten in Milliardenhöhe. Jetzt soll der neue Chef das Ruder herumreißen.
Die schlechten Zahlen, die Michael Leiters am Mittwoch erklären muss, hat er nicht zu verantworten. Nicht einmal zweieinhalb Monate ist er als Porsche-Chef im Amt und es gäbe sicher schönere Anlässe, um das erste Mal an die große Öffentlichkeit gerichtet zu sprechen als bei der diesjährigen Bilanzpressekonferenz. Denn die Finanzergebnisse für 2025 sind kaum schönzureden.
Porsche ist vergangenes Jahr nur noch mit Mühe über die Gewinnschwelle gekommen. 413 Millionen Euro blieben am Jahresende konzernweit übrig, ein gigantischer Einbruch von rund 93 Prozent im Vergleich zu 2024. Der Gesamtumsatz des Unternehmens, inklusive Finanzdienstleistungen, sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro. Die Gewinnmarge, die Porsche eigentlich mal Richtung 20 Prozent treiben wollte, ist von 14,1 auf 1,1 Prozent abgestürzt. Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass Michael Leiters den Job bei Porsche an einem Tiefpunkt übernommen hat.
Im letzten Jahr der Doppelrolle von Oliver Blume als VW-Konzern- und Porsche-Chef ist Porsche regelrecht implodiert. In China ging der Absatz um 22 Prozent zurück, insgesamt verkaufte der Konzern zehn Prozent weniger Fahrzeuge. Zudem ist Porsche voll von den Zöllen betroffen, die Donald Trump verhängt hat, weil der Sportwagenbauer keine eigene Fertigung in den USA hat. Sie kosteten den Autobauer 2025 rund 700 Millionen Euro, weil Porsche die Zusatzkosten nicht direkt an die Kunden weitergeben wollte. Und als sei das nicht schon genug, musste sich der einst so erfolgreiche Autobauer auch noch eingestehen, mit seiner Antriebsstrategie danebengelegen zu haben. Eine eigene Batteriefertigung und neue Elektromodelle wurden einkassiert, 2025 gingen allein rund 2,4 Milliarden Euro für eine erste Kurskorrektur drauf. Der Plan ist jetzt wieder: mehr Verbrenner, weniger Elektro.
Der Gewinn des größten Autoherstellers in Europa bricht um rund die Hälfte ein. Und Porsche schafft es nur knapp, überhaupt noch Geld zu verdienen.
All diese Entscheidungen wurden getroffen, bevor Michael Leiters den Chefposten bei Porsche übernommen hat. Sein Vorgänger hat ihm auch noch ein weiteres sensibles Thema überlassen: die Verhandlungen mit dem Betriebsrat über ein weiteres Sparprogramm. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Arbeitnehmervertreter einem massiven Stellenabbau zugestimmt. 1900 Stellen sollen bis 2029 wegfallen, dazu wurden die Verträge von rund 2000 Leiharbeitern und befristet Beschäftigten nicht verlängert. Weil noch bis Mitte 2030 eine Jobgarantie für alle Festangestellten gilt, kann Porsche niemanden einfach so rauswerfen.













