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Inflation frisst Schulden

Inflation frisst Schulden

Frankfurter Rundschau
Sunday, February 13, 2022 04:55:04 PM UTC

Die Teuerung reduziert nicht nur Sparguthaben, sondern auch Verbindlichkeiten. Davon können insbesondere Staaten in der Euro-Zone profitieren.

Die hohe Inflation mindert die Kaufkraft der Konsumentinnen und Konsumenten und entwertet die Sparguthaben. Sie gilt daher mindestens als Ärgernis, vielen sogar als Gefahr. Doch gibt es Profiteure. Zum einen jene Unternehmen, die durch höhere Verkaufspreise real höhere Einnahmen verbuchen. Zum anderen die Schuldner. Denn die Inflation frisst nicht nur Erspartes, sondern auch die Verbindlichkeiten. Davon können insbesondere Staaten profitieren. Auch in der Euro-Zone, wo „anhaltend hohe Inflationsraten auf Sicht von fünf Jahren die Schuldenstände deutlich reduzieren können“, so die DZ Bank. Allerdings gilt dies nur, solange die Zinsen nicht stark steigen.

In den letzten Monaten des vergangenen Jahres hatten die Preise in der Euro-Zone angefangen, immer schneller zu klettern. Laut Fachleuten sollte die Inflationsrate ab Jahreswechsel deutlich sinken – doch ist dies nicht geschehen. In Deutschland ging die Rate im Januar nur von 5,3 auf 4,9 Prozent zurück. In der Euro-Zone legte sie sogar von 5,0 auf 5,1 Prozent zu. Hauptursache war die teure Energie. Auch „manche EZB-Notenbanker scheinen mittlerweile der Auffassung zu sein, dass der temporäre Inflationsanstieg länger anhalten könnte“, kommentiert die VP Bank.

Das steigende Preisniveau erodiert nicht nur die Kaufkraft der privaten Haushalte, worunter insbesondere jene mit niedrigen Einkommen leiden. Sie senkt tendenziell auch die Verschuldung der Staaten in der Euro-Zone. Diese wird in der Schuldenquote gemessen, also im Verhältnis der Gesamtverschuldung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Durch höhere Inflation steigt das nominale BIP an. Ein Beispiel: Beträgt das reale Wirtschaftswachstum in einem Jahr 2,0 Prozent und die Inflation 3,0 Prozent, so liegt das nominale Wachstum bei 5,0 Prozent. Je höher das BIP, umso niedriger die Schuldenquote.

„Insofern kann eine höhere Inflationsrate dabei helfen, die Schuldenquote zu reduzieren“, erklärt die DZ Bank, die eine Modellrechnung gemacht hat, wie die Teuerung zur Entschuldung führen kann. In dieser Rechnung spielen verschiedene Variablen eine Rolle: der Schuldenstand, die Inflationsrate sowie das jährliche Primärdefizit, also das Budgetdefizit vor Schuldenbedienung.

Die Bank hat nun einen möglichen Verlauf der Verschuldung in den nächsten fünf Jahren anhand verschiedener Szenarien modelliert. Die Szenarien definieren sich durch die Höhe der Inflation, gemessen am sogenannten BIP-Deflator, der im Gegensatz zur Konsumentenpreisinflation die Preisänderungen aller Güter einer Volkswirtschaft berechnet und sich nicht nur aus einem repräsentativen Warenkorb orientiert. Hier werden jeweils die Werte 3,0 Prozent und 5,0 Prozent angenommen. Die Daten zum Wirtschaftswachstum und Primärsaldo entstammen dem jüngsten World Economic Outlook des Internationalen Währungsfonds (IWF).

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