
Hohe Spritpreise: Jetzt auf ein E-Auto umsteigen?
Süddeutsche Zeitung
Die Preise für Benzin gehen wegen des Iran-Krieges durch die Decke – und auf einmal zeigen sich die Vorteile eines Elektroautos. Ist jetzt der Moment gekommen, um umzusteigen?
Wer in diesen Tagen an eine Tankstelle fährt, kann eine Zwei-Klassen-Gesellschaft beobachten. Während die Verbrennerfahrer verzweifelt die Tanks ihrer Autos füllen, bevor der Spritpreis das nächste Rekordhoch erreicht, stehen nur wenige Meter daneben die E-Autofahrer entspannt an der Ladesäule. Für sie hat sich nichts geändert, schwankende Ladepreise, vor allem heftige Ausreißer nach oben, gibt es in der Regel nicht.
Spritpreise über zwei Euro? Da dürfte der eine oder andere Autofahrer doch noch einmal intensiver über den Wechsel hin zum Elektroauto nachdenken. Zumal bei diesen Tankkosten ein zentrales Argument gegen das Batteriefahrzeug wegfällt. Je nach Ladesituation war das elektrische Fahren bisher teils teurer als Tanken. Wer lange Strecken fährt, oft schnellladen muss und weder daheim noch auf der Arbeit Strom ziehen kann, war je nach Fahrprofil und Automodell teilweise mit dem E-Auto teurer unterwegs als mit einem vergleichbaren Verbrenner.
Doch mehr als zwei Euro für Benzin oder Diesel haben zumindest diese Rechnung umgekehrt. Der ADAC hatte bereits im November 2025 einen ausführlichen Kostenvergleich von elektrischen Autos und Verbrennermodellen gemacht – und dabei auch verschiedene Ladestrompreise berücksichtigt. Der Vergleichspreis für Benzin lag damals jedoch nur bei 1,67 Euro pro Liter. Schon mit diesem von heute aus betrachtet günstigen Spritpreis schnitt das E-Auto in vielen Fällen kostentechnisch besser ab.
Eine Beispielrechnung: Ein Mittelklassewagen wie der VW Golf kostet bei einem Benzinpreis von zwei Euro rund zwölf Euro pro 100 Kilometer. Das vergleichbare Elektro-Pendant, der VW ID3, würde selbst bei einem Strompreis von 69 Cent pro Kilowattstunde (was eher einem höheren Schnellladepreis entspricht) auf der gleichen Strecke rund einen Euro weniger kosten.
Noch viel eindeutiger wird es, wenn man günstiger laden kann – also zum Beispiel zu Hause oder am Arbeitsplatz. Mit dem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 37 Cent pro Kilowattstunde sind die Energiekosten für den E-Autofahrer nur etwa halb so hoch wie für den Verbrennerfahrer. Viele Stromkunden können aktuell sogar bei einem Anbieterwechsel Preise um die 30 Cent bekommen. Zudem gibt es spezielle Autostromtarife, die das Laden noch einmal günstiger machen.













