
Für null Euro quer durch Deutschland? Alles fake
Süddeutsche Zeitung
Plakate in ganz Deutschland und eine täuschend echte Bahn-Website versprechen gerade kostenloses Bahnfahren für alle. Doch das Angebot existiert nicht – und wer dahintersteckt, ist unklar.
Ja, kann das denn wahr sein? „Von Sylt bis zum Bayerischen Wald – grenzenlose Freiheit im Nahverkehr“, heißt es derzeit auf einer Website, auf der ganz oben das rote DB-Logo prangt. Beworben wird dort das sogenannte „Null-Euro-Ticket“, das angeblich die kostenlose Nutzung von Bussen, Straßen- und Regionalbahnen ermöglicht, „egal ob in Nordrhein-Westfalen oder in Brandenburg“. Werbeflächen an Bahnhöfen in ganz Deutschland sind mit entsprechenden Plakaten voll geklebt. „Einfach einsteigen. Ab sofort müssen Sie für Reisen mit dem öffentlichen Nahverkehr kein Ticket mehr kaufen“, so das Versprechen.
Nein, natürlich kann das nicht wahr sein. „Es handelt sich um Fake-Plakate und eine Fake-Website“, teilt eine DB-Sprecherin auf SZ-Anfrage mit. „Dies ist kein seriöses Angebot der DB.“ Aber ein ziemlich gut gemachtes: Die Plakate orientieren sich in Schriftart und Bildstil an früheren Bahn-Kampagnen, auf der Website lassen sich im unteren Bereich im Bahn-typischen Stil die Antworten auf die meistgestellten Fragen ausklappen. Und auch im Impressum wird auf die Adresse einer real existierenden DB-Zentrale verwiesen.
Wer hinter der Kampagne steht, ist unklar. Die Bahn ist derzeit noch dabei, den Sachverhalt zu prüfen, und behält es sich vor, gegen Rechtsverletzungen vorzugehen. Und auch die Firma Ströer, auf deren Plakatflächen die Fake-Werbung klebt, hat keine näheren Informationen zu den Urhebern. „Bei den Plakaten handelt es sich nicht um einen regulär gebuchten Kundenauftrag, sondern um Adbusting“, teilt ein Sprecher mit. Sie würden schnellstmöglich entfernt.
Unter Adbusting – wörtlich übersetzt: Werbung zerschlagen – versteht man das Überkleben oder Verfremden real existierender Plakate, um die jeweilige Aussage zu überspitzen oder ins Gegenteil zu verkehren. Häufig wird dabei aus einer ursprünglichen Werbebotschaft mit Kaufanreiz eine Konsumkritik. Das Bundesamt für Verfassungsschutz ordnete Adbusting im Jahr 2018 in seinem Verfassungsschutzbericht dem „gewaltorientierten Linksextremismus“ zu. Linke Gruppierungen sehen darin lediglich eine subversive Kunstform, die dazu anhalten soll, Werbebotschaften zu hinterfragen.
Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch in vielen Fällen um Sachbeschädigung. Und auch urheberrechtlich können derartige Aktionen verfolgt werden – sofern denn überhaupt ein Täter ermittelt werden kann.













