
Eine Frage der Souveränität
Süddeutsche Zeitung
Darf man einem US-Konzern wie Microsoft seine Daten anvertrauen, gar dessen KI-Angebote nutzen? Die Frage bestimmte den Auftritt von Microsoft-Chef Nadella in München.
Das Wichtigste hebt sich der Redner für den Schluss auf. Zumindest mögen das viele der rund 1700 Gäste im Raum so gesehen haben. Begrüßt hatten sie ihn mit kräftigem, aber nicht überwältigendem Applaus. Ein mitreißender Redner ist er auch nicht unbedingt. Dafür aber führt er eines der wertvollsten Unternehmen der Welt: Microsoft-Chef Satya Nadella.
Als er 2014 ins Amt kam, war Microsoft auf dem Abstieg. Seither aber hat sich der Börsenwert des Software-Konzerns verachtzehnfacht. Das liegt daran, dass Nadella unaufgeregt, aber sehr fokussiert klarmacht, wo er das Unternehmen sieht und wie es dorthin kommen soll. Gleich zu Beginn etwa steuerte er den schwerfälligen Konzern ziemlich radikal um auf den sich damals entwickelnden Cloud-Trend. Und als er 2019 ein vielversprechendes Start-up und seinen charismatischen Mitgründer kennenlernte, unterstützte er es massiv.
Heute kennt jeder, der sich ein wenig für KI interessiert, die Namen: Sam Altman und OpenAI, die Erfinder von Chat-GPT. KI, natürlich in Verbindung mit der Cloud, das ist Nadellas und Microsofts neue Marschrichtung. Darum geht es auch an diesem Mittwoch in München, wo Nadella Stargast der „Microsoft AI Tour“ ist.
Dieses Wichtigste aber, das Nadella erst ganz zum Schluss erwähnt, ist: Souveränität. Sie ist in der neuen Welt der gravierenden Änderungen im Verhältnis zu den USA unerlässlich, wenn man in Deutschland und Europa Geschäfte machen will. Das spürt auch ein so mächtiges Unternehmen wie Microsoft, das machen sowohl Nadella in seiner Ansprache als auch Alexander Brix, Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland, später auf einer Pressekonferenz deutlich. Denn viele Kunden fragen sich, ob sie bei einem US-amerikanischen Unternehmen ihre Daten wirklich sicher und datenschutzkonform speichern und verarbeiten können. Haben sich doch die USA weitgehende Rechte beim Datendurchgriff auf US-Firmen genommen.
In München hat der Konzern deshalb kürzlich ein Studio für resiliente Cloud- und KI-Architekturen gegründet. Und das Unternehmen bietet seine Technologie neuerdings auch so an, dass sie in eigenen Rechenzentren genutzt werden kann – auf Wunsch auch ohne Verbindung zum Internet. Nadella wirft allerdings auch die Frage auf, ob die souveräne Software eines Landes auch gegen Bedrohungen wie Cyberangriffe gewappnet sei, deren Ursprung schließlich weltweit seien. Womit er natürlich sagen will, dass ein multinational operierender Konzern wie Microsoft dabei ganz anders aufgestellt sei.













