
Drohender Machtverlust verändert Trumps Ton
n-tv
Bei einer ungewöhnlichen Rekordrede zur Lage der Nation kämpft US-Präsident Trump mit sich selbst - es steht viel auf dem Spiel. Er verteidigt zwar vehement seine Zollpolitik, vermittelt Rassismus und verspottet die Demokraten. Aber sein Ton ist trotzdem anders.
Bei einer ungewöhnlichen Rekordrede zur Lage der Nation kämpft US-Präsident Trump mit sich selbst - es steht viel auf dem Spiel. Er verteidigt zwar vehement seine Zollpolitik, vermittelt Rassismus und verspottet die Demokraten. Aber sein Ton ist trotzdem anders.
Donald Trump hat sich am Dienstagabend für rund zwei Stunden ein wenig neu erfinden müssen. Natürlich hat der US-Präsident bei seiner Rede zur Lage der Nation keine Fehler eingestanden, keine Zugeständnisse gemacht oder auf Beschimpfungen, Übertreibungen und Lügen verzichtet. Aber, so viel ist nach dem Rekord von 108 Minuten am Rednerpult des Kongresses sicher: Abgesehen von der Länge hat sich Trump diszipliniert, seinen Tonfall geändert. Und der Republikaner hat etwas getan, was schier unerreichbar schien - sich größtenteils an sein Redeskript gehalten.
Das hat Gründe. Erstens seine abgrundtief schlechten Umfragewerte. Zweitens die Kongresswahl im November, bei der ein Teil seiner Macht, die republikanischen Mehrheiten im Kongress, in Gefahr ist. Und drittens die Mitarbeiter im Weißen Haus, die es offensichtlich geschafft haben, ihm die Konsequenz aus einem Wahldebakel zu vermitteln, ohne danach ihren Job zu verlieren. Was Trump ausmacht, zeigte er zwar trotzdem: großes Eigenlob etwa, oder giftigen Spott über die oppositionellen Demokraten. Aber er wirkte dabei ungewöhnlich ruhig und gelassen.
Trump erlebt keine einfache Zeit. Die Wirtschaft stottert, die Epstein-Akten beschäftigen das Land seit Monaten, und am vergangenen Freitag erklärte der Supreme Court seine im Alleingang verhängten Sonderzölle gegen andere Länder für illegal. Nun muss er den Wählern erklären, warum seine erneute Präsidentschaft keine Fehlentscheidung war, er seine Versprechen gehalten hat und halten wird. Dutzende Millionen Menschen schauen live zu. Es ist aller Voraussicht nach das größte Fernsehpublikum des Zwischenwahl-Jahres.
Zwar hat jeder US-Präsident einmal im Jahr die Gelegenheit, vor dem versammelten Kongress alles zu sagen, was er will. Aber in diesem Jahr muss Trump verhindern, dass die Republikaner die Kontrolle über die Parlamentskammern verlieren. Die Beliebtheit des Präsidenten färbt immer auf die Zwischenwahlen ab, und Trumps Umfragewerte sind so schlecht wie nie in seinen beiden Amtszeiten. Zuletzt lehnten im Schnitt rund 56 Prozent der US-Amerikaner seine Politik ab. Ein fast ebenso großer Anteil hatte vor der Rede gesagt, die Wirtschaft und die Lebenshaltungskosten seien für sie die wichtigsten Themen bei Trumps Auftritt.













