
Dramé-Brüder sollen Deutschland verlassen - aber haben noch eine Chance
n-tv
Nachdem ihr Bruder bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde, kommen Sidy und Lassana Dramé nach Deutschland, um dem Prozess beizuwohnen. Mittlerweile sind sie gut integriert, trotzdem müssen sie das Land verlassen. Doch es regt sich Widerstand - und mit ihm die Hoffnung der Brüder.
Nachdem ihr Bruder bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde, kommen Sidy und Lassana Dramé nach Deutschland, um dem Prozess beizuwohnen. Mittlerweile sind sie gut integriert, trotzdem müssen sie das Land verlassen. Doch es regt sich Widerstand - und mit ihm die Hoffnung der Brüder.
Mit mittlerweile zwei offenen Briefen setzen sich Fußballvereine, Anwälte, Handwerker und Politiker dafür ein, dass die Brüder von Mouhamed Dramé eine gesicherte Bleibeperspektive in Deutschland erhalten. Mouhamed Dramé war im August 2022 bei einem Einsatz von einem Polizisten erschossen worden. Seine Brüder, der 39 Jahre alte Sidy Dramé und sein 26 Jahre alter Bruder Lassana, waren vor zwei Jahren aus dem Senegal nach Dortmund gekommen, um als Nebenkläger am Prozess um den tödlichen Polizeieinsatz teilzunehmen. Die Revision des Falls ist noch nicht abgeschlossen, trotzdem müssten die Brüder eigentlich das Land verlassen. Denn ihre Aufenthaltserlaubnis ist Ende Januar abgelaufen.
In einem ersten offenen Brief, der von "Welthaus Dortmund" initiiert wurde, fordern die Unterzeichner - darunter Vereine, Kulturschaffende und Rechtsanwälte - eine Verlängerung und langfristige Sicherung des Aufenthalts der beiden Brüder sowie Arbeitserlaubnisse. Beide Brüder hätten dem Strafprozess, in dem der Tod ihres Bruder aufgearbeitet wurde, mit beeindruckender Stärke und Würde beigewohnt. Allerdings, so machen die Unterstützer deutlich, ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Das Revisionsverfahren läuft noch. Dafür sei die Präsenz und das Wirken der Brüder als Angehörige "essenziell".
Das betont auch die Anwältin der Familie Dramé, Lisa Grüter. Demnach sind ihre Mandanten zur Teilnahme an der etwaigen Revisionshauptverhandlung berechtigt, haben dort auch das Recht, sich zu erklären. Ihre Anwesenheit in Deutschland sei "unerlässlich, um der Familie eine eigenständige Stellung im Verfahren zu sichern". Migrationsrechtlerin Claire Deery hält eine Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis im Gespräch mit dem WDR zudem schon aus rechtsstaatlichen Gesichtspunkten für geboten. "Unsere Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit sollten es gewähren, das Verfahren aus der Bundesrepublik Deutschland heraus wahrnehmen zu können."
In einer Stellungnahme teilt die Stadt Dortmund mit, die Ausländerbehörde sei sich der Besonderheit des Falles und der Umstände bewusst. Dennoch sei man an bundeseinheitliche, aufenthaltsrechtliche Vorgaben gebunden. Den Angaben eines Stadtsprechers zufolge hatte die Nachbarstadt Witten, wo die beiden zunächst lebten, eine bis 31. Januar 2026 befristete Aufenthaltserlaubnis ausgesprochen. Grundlage war ein Paragraf im Aufenthaltsgesetz, der einen vorübergehenden Aufenthalt aus persönlichen oder humanitären Gründen erlaubte - in diesem Fall, um der Familie eine Teilnahme am Prozess um den Tod ihres Bruders zu ermöglichen. Mit Abschluss des Prozesses vor dem Landgericht falle diese Grundlage weg, die Aufenthaltserlaubnis könne daher - auf dieser Grundlage - nicht mehr verlängert werden.













