
DIW passt Prognose wegen Nahost-Krieg an
Süddeutsche Zeitung
Das Wachstum wird wohl gebremst, die Inflation dürfte ansteigen. Zu dieser Einschätzung kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Die Erholung der Konjunktur wird aber nicht vollständig gestoppt.
Der Nahost-Krieg wird nach Einschätzung des DIW die deutsche Wirtschaft bremsen und die Inflation erhöhen, bislang aber nur moderat. Die konjunkturelle Erholung werde nicht gestoppt, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch in Berlin mit. Konkret dürfte die Teuerungsrate in diesem Jahr 0,4 Prozentpunkte höher ausfallen und das Wachstum 0,1 bis 0,2 Punkte niedriger. „Der öffentliche Konsum bleibt kräftig, und die Staatsinvestitionen ziehen allmählich an – zunächst bei Verteidigung, später bei Infrastruktur.“ Entscheidend sei ein zügiger Einsatz der öffentlichen Mittel.
Die schwarz-rote Bundesregierung hat einen 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur aufgesetzt. Außerdem gibt es zur Aufrüstung der Bundeswehr weitreichende Ausnahmen von der Schuldenbremse.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das DIW um Präsident Marcel Fratzscher nun mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. 2027 dürften es dann 1,4 Prozent sein. Die Inflationsrate wird 2026 auf 2,4 geschätzt, 2027 auf 2,3 Prozent. „Weitere Zinsschritte der Europäischen Zentralbank sind nicht absehbar.“ Diese strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft eine Teuerungsrate von zwei Prozent im Euro-Raum an.
Das DIW ist das erste der großen Forschungsinstitute, das seit Kriegsausbruch vor mehr als einer Woche neue Konjunkturschätzungen vorlegt. Die Forscher betonten, die vom Obersten Gerichtshof in den USA festgestellte Rechtswidrigkeit der US-Zölle bleibe dank einer Übergangslösung bislang ohne spürbare Auswirkungen auf deutsche Exporte. Der jüngste Anstieg der Energiepreise infolge der Eskalation im Nahen Osten falle zumindest deutlich geringer aus als während der Energiekrise 2022/23.













