Diese Muster prägen das Nagelsmann-System
ZDF
Wie funktioniert die DFB-Elf unter Nagelsmann? Professor Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln analysiert Struktur und Spielweise.
Wie funktioniert die DFB-Elf unter Julian Nagelsmann? Professor Daniel Memmert von der Deutschen Sporthochschule Köln analysiert Struktur und Spielweise. Noch fehlt der deutschen Nationalmannschaft die Selbstverständlichkeit im Spiel und die defensive Stabilität über 90 Minuten hinweg, um wieder zu den Topteams der Welt zu gehören. Doch punktuell zählt die deutsche Elf unter Trainer Julian Nagelsmann vor der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko zu den kreativsten und spektakulärsten Mannschaften weltweit - das haben die beiden Länderspiele gegen die Schweiz (4:3) und Ghana (2:1) gezeigt. Das liegt zum einen an herausragenden Individualisten wie Florian Wirtz und Kai Havertz, vor allem aber am innovativen Spielsystem des Taktik-Tüftlers Nagelsmann. Professor Daniel Memmert, Leiter des Instituts für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule Köln, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Nagelsmann-Fußball und erkennt fünf prägende offensive Muster im Spiel der DFB-Elf, die er mit Spielszenen aus dem Match gegen Ghana belegt: "Wissenschaftliche Studien belegen", so Professor Memmert, "dass durch Vorlagen aus den sogenannten Assistzonen die meisten Tore fallen." Diese Zonen umfassen den Raum von den Strafraumkanten bis zum Fünf-Meter-Raum. Wenn Spieler in diese Zonen vordringen, erzeugen sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Torchance. Zudem sei erwiesen, dass umso mehr Tore fallen, desto mehr eigene Spieler in der Box versammelt sind. "Beides hat Julian Nagelsmann perfekt erkannt und optioniert", sagt Memmert. Unter Nagelsmann seien bis zu sechs Spieler im gegnerischen Strafraum präsent - "absolut beeindruckend, auch im internationalen Vergleich". Nagelsmann versucht laut Memmerts Analyse, die Gegner in bestimmte Räume zu locken, damit seine Spieler dort Bälle erobern können. "Das ist ein absolutes Markenzeichen seines Fußballs - vielleicht das wichtigste." Punktuell sei auch sehr hohes Anlaufen zu sehen - gegen die Schweiz noch mehr als gegen Ghana. Dieses Muster fand Memmert gegen die Schweiz und Ghana besonders auffällig: "Einer der beiden Sechser - Pascal Groß oder Leon Goretzka - schiebt häufig sehr offensiv in der zentralen Spur vertikal nach vorn, während der andere Sechser - Angelo Stiller - tiefer agiert und als Ballverteiler agiert und die Defensive absichert."
