
Die Angst fährt mit
Süddeutsche Zeitung
Zwar werden weniger Zugbegleiter körperlich angegriffen. Doch immer mehr fühlen sich unsicher in ihrem Job – und überlegen sogar, den Beruf zu wechseln. Was also tun?
Der Job des Zugbegleiters hat seine guten und seine schlechten Seiten. Man ist den ganzen Tag unter Menschen, fühlt sich gebraucht, trägt etwas Sinnvolles zur Gesellschaft bei. Doch gleichzeitig sind da die unangenehmen Momente, die Konflikte mit Fahrgästen – und die ständige Gefahr, was wäre, wenn doch mal einer davon eskaliert. So wie am 2. Februar, als der Zugbegleiter Serkan C. so brutal niedergeschlagen wurde, dass er am Ende seinen Verletzungen erlag.
Wohl auch deswegen ist in den vergangenen Monaten das Sicherheitsempfinden vieler Bahn-Mitarbeiter drastisch gesunken. Das geht aus einer Umfrage des Instituts Arbeit und Wirtschaft der Uni Bremen im Auftrag der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hervor. 4000 Beschäftigte haben daran teilgenommen. Zuletzt hatte die Gewerkschaft eine solche Befragung im Jahr 2024 vorgenommen.
Die Ergebnisse sind alarmierend. Zwar geben mittlerweile etwas weniger Mitarbeiter an, Opfer eines körperlichen Übergriffs geworden zu sein. 2024 waren es noch 61 Prozent, in diesem Jahr sind es 50 Prozent. Die Zahl der verbalen Übergriffe hat sich der Umfrage nach von 81 Prozent auf 85 Prozent aber sogar leicht erhöht. Sprich: Für die übergroße Mehrheit der Beschäftigten sind Beschimpfungen und Beleidigungen keine Ausnahme, sondern sie gehören zum Alltag.
Zwei Drittel der Befragten fühlen sich deswegen immer unsicherer in ihrem Arbeitsalltag. Da die Umfrage nach dem Tod von Serkan C. extra noch einmal um ein paar Wochen verlängert wurde und viele Mitarbeiter bei der Beantwortung unter dem Eindruck der grausamen Tat gestanden haben dürften, sind die Ergebnisse zwar leicht verzerrt. Vor allem im Vergleich zu den Zahlen von 2024 zeigt sich jedoch ein beunruhigender Trend: Damals gab gerade mal 36 Prozent der Befragten an, sich im Job unsicher zu fühlen.
Mittlerweile gehen ein Drittel der Mitarbeiter sogar so weit, dass sie erwägen, aufgrund der Sicherheitslage und der bis vor Kurzem nur sehr zögerlich ausgebauten Sicherheitsangebote der Arbeitgeber den Job zu wechseln. Für die Deutsche Bahn, aber auch für diverse kleinere regionale Eisenbahnverkehrsunternehmen wäre das ein Desaster. Keines von ihnen könnte den Wegfall von so viel Personal auch nur ansatzweise kompensieren.













