
Der Meteorit, die Politik und der Drang nach Deutung
n-tv
Kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz stürzt der Himmel auf Koblenz hinab. Ob Zufall oder Zeichen – der Meteorit liefert Stoff für Spekulationen.
Kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz stürzt der Himmel auf Koblenz hinab. Ob Zufall oder Zeichen – der Meteorit liefert Stoff für Spekulationen.
Koblenz/Lützelbach/Bensbach (dpa/lrs) - War der Meteorit von Koblenz ein Zeichen Gottes oder eine kosmische Antwort auf die jüngsten Wahlergebnisse? Der Einschlag der Weltraumsteine in ein Hausdach am vergangenen Sonntag sorgte in den sozialen Netzwerken für zahlreiche Spekulationen – mal mehr, mal weniger ernst gemeint. Das ungewöhnliche Ereignis stellte in jedem Fall unter Beweis: Der Himmel und seine Phänomene haben auf Menschen eine ganz besondere Wirkung.
"Letztendlich kann man natürlich in fast alles irgendetwas hineininterpretieren", sagt Carolin Liefke von der Vereinigung der Sternenfreunde. Besonders überraschende Himmelsereignisse seien auch in der Vergangenheit schon häufig gedeutet worden. Vor allem Dinge, die man sich nicht erklären könne, würden oft als Zeichen gewertet. "Meist dachte man dabei eher an eine Warnung als an etwas Gutes, etwa an einen warnenden Fingerzeig von Gott oder – in der Antike – von den Göttern."
Ein bekanntes Beispiel ist der Weihnachtsstern, der laut Bibel die Heiligen Drei Könige zum Jesuskind in der Krippe geführt haben soll. Oft wird der Stern in der Kunst mit einem Kometenschweif dargestellt, obwohl Experten bezweifeln, dass es sich tatsächlich um einen Kometen handelte. Manche Legenden interpretieren ihn auch als himmlisches Zeichen, das Freude und göttliche Botschaft verkündete – im Gegensatz zu Kometen, die damals meist als Unglücksbringer galten.
Als der Himmelskörper am Sonntagabend durch das Hausdach in ein Schlafzimmer krachte, wurden im benachbarten Baden-Württemberg gerade die Stimmen für die Landtagswahl ausgezählt. Im Netz wurde die Schlappe der SPD scherzhaft damit erklärt, dass der Meteorit die Sozialdemokraten hart getroffen hätte. An anderer Stelle hieß es, es habe nie einen Meteoriten gegeben, sondern nur Trümmer der Partei, die bis nach Koblenz geflogen seien.













