
Bahn braucht für Sanierung Hamburg–Berlin sechs Wochen länger
Süddeutsche Zeitung
Erst am 14. Juni geht die gesamte Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten wieder in Betrieb. Mit dem Winter allein lässt sich das kaum erklären. Und auch die Kosten bleiben unklar.
Wochenlang hat die Deutsche Bahn gerechnet, kalkuliert und abgewogen. Nun ist sie zu dem Ergebnis gekommen, dass sie für die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin sechs Wochen mehr benötigt als eigentlich angekündigt. Das teilte der Konzern am Mittwoch mit.
Ursprüngliche sollte die wichtige Strecke zwischen den beiden größten deutschen Städten zum 1. Mai fertig sein, nach neun Monaten Bauzeit. Doch die Infrastruktur-Tochter der Bahn, die DB Infrago, hat sich verkalkuliert. Sie hatte lediglich zwei bis drei Wochen Puffer eingeplant für den Fall, dass eine Kältewelle die Baustellen für eine Zeit lahmlegt. Dann jedoch blieb es deutlich länger frostig und eisig als von der Bahn antizipiert, etwa sechs Wochen habe es etwa beim Kabeltiefbau aufgrund der Minusgrade „faktisch keinen Fortschritt“ gegeben, teilte Infrago-Manager Gerd-Dietrich Bolte Mitte Februar mit. Auch bei der Montage der Leit- und Sicherungstechnik lag die DB Infrago deutlich hinter ihrem Zeitplan - und musste ihn letztlich über den Haufen werfen.
Mit der längeren Frostperiode allein lässt sich die nun angekündigte Verzögerung gleichwohl nicht erklären, auch wenn die Bahn dies tut. Wäre sie der einzige Grund, hätten die Arbeiten lediglich etwa drei bis vier Wochen länger dauern dürfen, zumal seit Ende Februar noch mal mehr Personal auf den Baustellen ist als eigentlich geplant, um den Rückstand aufzuholen. Viele in der Branche kritisieren seit Monaten, das Projekt sei zu sehr „auf Kante genäht“ und die Bahn strukturell überfordert mit der Prüfung der Leit- und Sicherungstechnik. Der Konzern weist das zurück.
Die bereits seit Wochen kursierende und seitens der Bahn zunächst nicht kommentierte Vermutung, die Inbetriebnahme werde in zwei Stufen erfolgen, hat sich jedenfalls bewahrheitet: Ab dem 15. Mai sollen erste Züge immerhin im nördlichen Teil der Strecke wieder fahren, also von Hamburg in Richtung Schwerin. Was zählt, ist am Ende jedoch die finale Inbetriebnahme - und die dauert deutlich länger.
Die große Frage ist nun einerseits, wie sich die längere Bauzeit auf die Gesamtkosten auswirken wird. Die Deutsche Bahn spricht nach wie vor von Kosten in Höhe von 2,2 Milliarden Euro. Vorgesehen war außerdem ein Risikopuffer in Höhe von 300 Millionen Euro. Im Bundesverkehrsministerium geht man längst davon aus, dass dieser voll ausgeschöpft wird. Staatssekretär Ulrich Lange (CSU) sprach bereits im August 2025 öffentlich von Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro. Die Bahn will das nicht kommentieren. „Es ist noch zu früh“, sagte Bolte am Mittwoch.













