
Wenn sich Mode mit Satire beißt
Süddeutsche Zeitung
Die kleine Hundezeitschrift „Dogue“, Auflage wenige Hundert Exemplare, ist eine Parodie auf das weltbekannte Modemagazin „Vogue“. Nun fletscht der Gigant die Zähne und zieht gegen den Underdog vor Gericht.
Hunde haben ihre eigene Vorstellung von Wellness und Mode. Sie brauchen keine Samtmäntelchen und Lederschuhe, Fell und Pfoten reichen ihnen vollkommen. Statt Eau de Cologne zu benutzen, wälzen sie sich artgerecht in ekelhaftem Zeug. Es sind ihre Frauchen und Herrchen, die sie zu Modeopfern machen. Auf dem Markt für Mode- und Pflegeprodukte für Haustiere werden Milliarden Euro umgesetzt. Luxuslabels wie Gucci, Prada und Louis Vuitton haben nicht nur den Hund als Accessoire entdeckt, sondern auch Accessoires für Hunde – Handtäschchen für den stilvollen Chihuahua-Transport, Schmuck, Stiefelchen und Abendgarderobe für verwöhnte Großstadt-Fiffis.
Obwohl viele Hunde Spuren, aber keine Buchstaben lesen können, existieren auch Modemagazine für Vierbeiner, in denen Produkte angepriesen werden, von denen Otto Normalmops nicht mal ahnte, dass sie existieren. In der aktuellen Ausgabe der Dogue, einem in Los Angeles erscheinenden Hundemagazin, kann man edelsteinbesetzte Halsbänder, Hunde-Tutus, Sonnenbrillen und Schleifchen bewundern, es gibt ein Interview mit dem Frauchen eines Hunde-Models und Porträts über US-Petfluencer. Das Printmagazin ging 2021 aus dem Digitalprojekt „Coverdogs“ hervor, einer Sammlung von parodistischen Magazincovern mit Hunden. Es erscheint viermal jährlich und verkauft sich nach Angaben von Olga Portnaya, Gründerin von Dogue, pro Ausgabe einige Hundert Mal.
Im Vergleich mit dem bekanntesten Modemagazin für Menschen, der Vogue aus New York, wirkt die kalifornische Dogue wie ein Rehpinscher neben einem Rottweiler. Der Condé Nast Verlag, in dem die Vogue erscheint, hat einen geschätzten weltweiten Umsatz von zwei Milliarden Euro. Doch der Gigant fühlt sich von der kleinen Dogue angepisst und hat das Magazin vor einem Bundesgericht verklagt. Die Anwälte des Verlags argumentieren in ihrer Klageschrift, dass das Logo des Hundemagazins offensichtlich darauf abziele, Leser zu verwirren, indem es eine Verbindung zwischen den beiden Publikationen suggeriere, und „Condé Nast wahrscheinlich irreparablen Schaden zufügen würde“.
Eigentlich ist die Vogue als hundefreundlich bekannt. Die langjährige Chefredakteurin Anna Wintour hat drei Hunde, die auf die verwirrenden Namen Boo Radley, Harper und Atticus Finch hören. Das Problem mit der Dogue ist Condé Nast im vergangenen Jahr zugelaufen, als die Vogue ein eigenes Digitalprojekt namens Dogue von der Kette ließ, das Promi-Hunden gewidmet war, darunter Demi Moores Chihuahua Pilaf und Billie Eilishs Hund Shark. Das beißt sich natürlich mit der anderen Dogue.
Die Chefredakteurin der Underdog-Zeitschrift argumentiert, ihr Produkt sei eine Parodie mit eigener Handschrift, das gegründet wurde, lange bevor die Vogue auf den Hund kam. Die Marke sei angemeldet, geprüft und genehmigt. Dennoch fordert Condé Nast nun Umbenennung, Schadenersatz und sogar die Vernichtung aller Exemplare. Olga Portnaya sieht darin mehr als einen Streit um eine Hunde-Marke, es sei ein Kampf um kreative Nischen. Wer bei der juristischen Beißerei gewinnt, ist offen. Vielleicht ist es wie in der Tierwelt: Nicht immer gewinnt der größere, lautere Hund – es kommt auch auf Witz und Intelligenz an.








